85-1- Zweihundert und sechsunddreißigste Macht.
Der Gärtner antwortete ihm, daß er zu Lande von der Stadt, wo er sichgegenwärtig befinde, bis zu den von Muselmännern bewohnten und von Fürsten ihresGlaubens beherrschten Ländern ein volles Jahr zu reisen habe, daß man aber zur Seein viel kürzerer Zeit zur Ebenholzinsel gelangen und von dort leicht nach denCanarieninseln kommen könne; daß jedes Jahr ein Schiff nach der Ebenholzinselabgehe, und ihm also dieser Weg zur Rückkehr in sein Vaterland offen stehe. „Wärestdu etliche Tage früher gekommen," setzte er hinzu, „so hättest du dich sogleich dahineinschiffen können; wenn du indessen, bis im nächsten Jahre wieder ein Schiff abfährt,bei mir bleiben willst, so erbiete ich dir von Herzen gern mein Haus, so wie es da ist."
Nach einigem Bedenken hielt es Kamr essaman für das Beste, von demAnerbieten des Gärtners Gebrauch zu machen und die Abfahrt des Schiffes nach derEbenholzinsel zu erwarten. Er blieb also da und beschäftigte sich den Tag über mitGartenarbeiten, bei welchen er seinem freundlichen Wirth rüstig an die Hand ging; dieNacht aber, wo nichts seine Gedanken von seiner geliebten Prinzessin Bedur abzog,brachte er unter Seufzen, Klagen und Weinen hin. So viel von Kamr essaman.
Was die Prinzessin Bedur betrifft, welche wir unter ihrem Zelte schlafendverlassen haben, so war dieselbe sehr verwundert, als sie beim Erwachen den PrinzenKamr essaman nicht fand. Sie kleidete sich an, und als sie ihren Gürtel umlegenwollte, bemerkte sie, daß der kleine Beutel daran offen und der Stein nicht mehr darinwar. Sie zweifelte nicht, daß Kamr essaman ihn genommen habe, um zu sehen,was es sey, und daß er bald mit demselben zurückkehren werde.
Mit der größten Ungeduld erwartete sie ihn bis zum Abend, und konnte nichtbegreifen, was ihn so lange entfernt halte. Als sie sah, daß es schon dunkle Nachtwar, und er immer noch nicht kam, gericth sie in unaussprechliche Betrübniß. „Gottverdamme den Stein," rief sie aus, „und den, der ihn gemacht hat! Mein Geliebterkennt die geheime Kraft dieses Talismans nicht, sonst hätte er mich nicht verlassen.Was mir zum Heil dienen sollte, führt jetzt mein größtes Unglück herbei."
Der Morgen brach an, und Kamr essaman war noch nicht da. Die PrinzessinBedur war trostlos, besonders wenn sie bedachte, daß es nun Zeit sey, mit demLager aufzubrechen und die Reise fortzusetzen. Wenn ich nun weiter gehe, dachte sie,und meine Begleitung erfährt, daß ich Kamr essaman vermisse, was wird aus mirwerden? Ich führe viele Kostbarkeiten mit mir, und bin nichts als ein schwachesWeib: meine Sklaven werden sich gegen mich erheben, mir meine Schätze rauben undmich mißhandeln oder ermorden.