850 Zweihundert und fünfunddrrißigste Aacht.
Dieser Traum machte den Prinzen sehr traurig. Seine Gemahlin bemerkte balddie Veränderung, welche mit ihm vorgegangen war, und er sah sich genöthigt, ihr denGrund davon zu entdecken. Ohne ihm zu sagen, was sie vorhätte, ging Bedur zuihrem Vater, küßte ihm die Hand und bat ihn um Erlaubniß, mit Kami essamanzu ihrem Schwiegervater reisen zu dürfen, indem dieser die lange Trennung von seinemgeliebten Sohne allzuschmerzlich empfinden, und auch Kamr essaman durch die steteErinnerung an seinen bekümmerten Vater in seinem Glücke gestört werden müsse.
Der König von China gewährte seiner Tochter die Bitte, jedoch nur unter derausdrücklichen Bedingung, daß sie nicht länger als ein Jahr am Hofe des KönigsSchah Scman bliebe; nach Verfluß desselben sollte sie zurückkehren und mit ihremGatten wieder ein Jahr bei ihm zubringcn.
Die Prinzessin versprach es, und der König gab Befehl zu den Anstalten der Reise;
! er machte Kamr essaman viele werthvolle Geschenke, empfahl ihm nochmals seineI Tochter, und begleitete sie bis an die Grenzen seines Reichs. Dann nahm er von! ihnen Abschied und kehrte nach seiner Hauptstadt zurück.
Ungefähr nach Verlaus eines Monats kam das Neuvermählte Paar auf seinerReise in eine große fruchtbare Ebene, und da die Hitze außerordentlich drückend war, sobeschloß Kamr essaman hier zu lagern und ein wenig auszuruhen. Bei einerschönen Stelle mit schattigen Bäumen stiegen sie ab. Die Zelte wurden aufgeschlagen,die Pferde und Kamele abgcpackt; die Dienerschaft, welche sie begleitete, überließ sichder Ruhe, und die Lastthiere weideten in der Nähe des Lagers.
Die Prinzessin Bedur, welche indessen unter einem Baum im Schatten gesessen! war, trat in das für sie bestimmte Zelt, während Kamr essaman im Lager^ herumging und Befehle ertheilte. Um es sich bequemer zu machen, nahm sie sich den! Gürtel ab und legte sich, nur mit einem leichten Unterkleide bedeckt, nieder, worauf! sie, da sie ermüdet war, sogleich entschließ.
! Nachdem Kamr essaman überall nachgesehen hatte, ging er gleichfalls nach demi Zelte, und als er sah, daß Bedur schlief, trat er leise hinein, und weidete seineAugen an dem Anblick der holden Gestalt seiner Gemahlin. Da fiel sein Blick vonungefähr auf den Gürtel, welchen sie neben sich hingelegt hatte; er nahm ihn in dieHand, betrachtete die Diamanten und Rubinen, womit er geschmückt war, einen nachdem andern, und bemerkte einen kleinen Beutel, welcher so geschickt innen an den Stoffangenäht war, daß man ihn, wenn man den Gürtel um den Leib trug, nicht entdeckenkonnte. Er faßte ihn an und fühlte, daß etwas Hartes darin war. Neugierig, zu