Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
847
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Zweihundert und vierunddreißrgste Nacht. 847

nicht zu nennen braucht, um erkannt zu werden; an das schönste und lieblichste derMädchen ist er gerichtet, vom treuen Liebenden an die getrennte Geliebte, vomVerzweifelnden, Umherirrenden an die schmachtende Gazelle, an die vollkommene Jungfrau,die Perle ihres Geschlechts. Die Nächte bring' ich schlaflos zu, die Tage in düsteremSinnen; viel sind meine Schmerzen und Leiden, und wenig meine Erholung undRuhe. Ich habe keinen Freund und Niemand theilt meinen Kummer. In meinerBrust brennt eine Flamme, die nicht zu ersticken ist; mein Inneres verzehrt eine Glut,die stets sich nur wilder anfacht. Heil wünsch' ich dir und Segen aus den unerschöpflichenQuellen der Gnade Gottes dir, bei der mein Herz und meine Seele ist! DerFriede des Himmels sey mit dir, so lange das Siebengestirn über dein holdesAngesicht aufgeht!"

Von außen schrieb er auf den Brief:

»Voll Sehnsucht und Verwirrung schreibe ich dies aus schmerzbeengterBrust an den Halbmond, an die Sonne, an die Gazelle, an den Myrtenzweig."

Und auf die Rückseite setzte er den Schluß:

Forsche in meinem Brief und in meinen Schriftzügen nach: sie werden dirvon meinem peinlichen Zustande Kunde geben.

Während meine Hand schrieb, rannen Thränen aus meinen Augen, undder Kalam traf die Spuren meines Schmerzes auf dem Papier.

Sey mir also huldreich, gewogen und günstig! Ich sende dir hiemit deinenRing, sende du mir auch den meinigen."

Als der Prinz Kamr essaman den Brief vollendet hatte, that er den Ring derPrinzessin hinein und legte ihn zusammen. Hieraus gab er Beides dem Diener undsagte zu ihm:Geh' und bring' dies deiner Gebieterin. Wenn sie nicht augenblicklichgeheilt ist, sobald sie diesen Brief gelesen und das, was darin liegt, gesehen hat, sowill ich der nichtswürdigste und unverschämteste aller Sterndeuter seyn, die es je gegebenhat und noch geben wird."