Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
784
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78-4 Zweihundert und vieruiidzwanzijijie Nncht.

in seiner Betriibniß betrachtete er es als das größte Unglück, das ihm begegnen könnte,wenn er sterbe, ohne einen Leibeserben als Nachfolger zu hinterlasscn. Lange verhehlteer den nagenden Kummer, der ihn quälte, und litt eben dadurch um so mehr, daß ersich Gewalt anthat, ihn nicht merken zu lassen. Endlich brach er das Schweigen, undeines Tages, nachdem er seinem Großvezier in einer geheimen Unterredung seine Nothgeklagt hatte, fragte er ihn, ob er nicht ein Mittel wüßte, derselben abzuhelfen.

Großmächtigster König!" antwortete der Vezier,wenn das, was du mich fragst,von den gewöhnlichen Vorschriften menschlicher Weisheit abhinge, so würdest du baldder Erfüllung deines heißen Wunsches theilhaftig seyn; aber ich bekenne, daß dieseFrage über meine Erfahrung und meine Kenntnisse geht: in dergleichen Anliegen kannman allein zu dem erhabenen Gott (gepriesen sey er!) seine Zuflucht nehmen. Mittenin unserem Glück, das uns oft seiner vergessen läßt, gefällt es ihm, uns durch irgendetwas zu kränken, damit wir wieder an ihn denken, seine Allmacht erkennen und ihnum das bitten, was wir nur von ihm erwarten können. Du hast bedürftige Unterthanen,die es sich besonders angelegen seyn lassen, ihn zu ehren, ihm zu dienen und zu ihmzu beten: darum rathe ich dir, eine große Mahlzeit bereiten zu lassen, jene dazueinzuladen, daß sie nach Lust essen, und sie dann aufzufordern, ihre Gebete mit deinemFlehen zu vereinigen. Vielleicht findet sich unter ihnen eine reine Seele, deren Gebetvor Gott angenehm ist, so daß dein Wunsch erfüllt wird, und du einen Sohnbekommst, welcher dir in der Regierung folgt und dein Gedächtniß nach deinem Todeerhält."

Schah Sem an war sehr erfreut über diesen Rath des weisen Veziers, der ihmvortrefflich dünkte, und wofür er denselben in dankbarer Rührung umarmte. Er ließsogleich jeder Brüderschaft der gottgeweihten Leute, welche der Vezier ihm bezeichnethatte, reiche Almosen austheilen, lud sie zu einer gemeinschaftlichen Mahlzeit ein underöffnete ihnen seine Absicht, daß sie für die Erhörung seines sehnlichen Wunsches zuGott beten möchten.

Wirklich erlangte Schah Seman durch die Gnade des Himmels, was er begehrte:eine seiner Frauen fühlte sich nach einiger Zeit gesegneten Leibes und gebar ihm, alsihre Tage und Nächte um waren, einen Sohn. Zum Danke dafür sandte er denBrüderschaften der frommen Muselmänner neue, seiner Größe und Macht würdigeAlmosen, und man feierte die Geburt des Prinzen nicht allein in der Hauptstadt,sondern auch im ganzen Umfange seines Reiches durch öffentliche Freudenfeste eine ganzeWoche lang. Nachdem die Feierlichkeit der Beschnerdung vorüber war, kleidete man