Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
733
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Zweihundert und achtzehnte Uacht. 733

Gut," sagte Scheich Ibrahim bei sich selber,da sind Leute, die das Verbotübertreten: ich will sie lehren, welche Ehrfurcht man dem Chalifen schuldig ist. Nachmeiner Vollmacht könnte ich Jeden umbringen, den ich hier finde; aber vielleicht wissendiese nicht, daß sie das Leben verwirkt haben. Darum will ich sie nicht tödten; aberdurchprügeln will ich sie dergestalt, daß es so bald Niemand mehr eiufallen wird, sichder Gartenthüre zu nähern."

Hierauf öffnete er leise die Thür und ging in den Garten. Einen Augenblickdarnach kam er wieder mit einem dicken Stock in der Hand, den er im Gebüschgeschnitten hatte. Um in der Ausübung seiner Strafgewalt weniger gehindert zu scyn,hatte er die Aermel zurückgestreift. Er näherte sich behutsam den Liegenden, erhob seineHand mit dem Stock und holte gewaltig aus, um auf sie loszuschlagen; plötzlich aberhielt er inne und verharrte in seiner drohenden Stellung, während er bei sich überlegte:

Was willst du thun, Ibrahim? Wie magst du diese Leute schlagen, ohne zuwissen, ob es nicht Fremdlinge sind, die den Befehl des Chalifen nicht kennen, oderReisende, welche das Schicksal hicher geworfen hat, und die kein Unterkommen in derStadt mehr finden konnten: es wird doch besser sepn, sich vorher zu überzeugen, wersie sind."

Damit ließ er den Arm mit dem Stocke sinken, hob das Tuch, mit dem sie verhülltwaren, vorsichtig auf und gerieth in die höchste Verwunderung, als er einen sowvhlgebildetcn Jüngling und ein so schönes Mädchen erblickte.

Bei Gott!" rief er halblaut aus,das sind zwei hübsche Kinder!" und deckte ihrGesicht wieder zu. Dann zog er den jungen Mann sanft an den Füßen, um ihnaufzuwecken.

Nureddin fuhr sogleich aus dem Schlafe auf, öffnete die Augen und erhob dasHaupt. Als er einen ehrwürdigen Greis mit langem weißen Barte an seinen Füßenerblickte, richtete er sich verschämt empor, schob sich auf den Knien hin, und indem erdie Hand des Greises faßte und ehrfurchtsvoll küßte, sagte er zu ihm:Gott erhaltedich, guter Vater! wünschest du etwas?"

Mein Sohn," erwiderte Scheich Ibrahim, dessen Aerger schon durch denAnblick der Beiden, noch mehr aber durch das bescheidene und zutrauliche Benehmen desJünglings entwaffnet war,wer seyd ihr? wo kommt ihr her?"

Wir sind Fremde," antwortete Nureddin, und Thränen schossen ihm in dieAugen.So eben hier angekomme» und unbekannt in der Stadt, wußten wir nicht,wohin wir uns wenden sollten, und ließen uns vom Zufall leiten. Nachdem wir eine