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Zweihundert und vierzehnte Nacht.
sie dein seliger Vater, der Vezier, kaufte. Keiner hatte den Muth, mehr zu bieten,
^ obwohl man Allen im Gesicht ansah, wie sehr es sie verdroß, daß der Vezier ihreVorrechte mit Füßen trat und ihnen in den Kauf stand. Dieser aber, als er sah, daßer durch seine Gewaltthätigkeit seinen Zweck erreicht und die Kaufleute eingeschüchtcrt'hatte, blieb bei dem ersten Angebot stehen und war nicht zu bewegen, mehr als dieviertausend Dinar zu geben. Ganz wider meinen Willen und gegen alle meine Erwartungbin ich genöthigt, dir ein so unannehmliches Gebot zu bringen. Trotz dem wäre derHandel nicht so schlimm, wenn man versichert seyn könnte, daß dir Muin dieviertausend Dinar sogleich ausbezahlen ließe; aber ich kenne seine Ungerechtigkeit undmöchte dir nimmer dazu rathen, ihn als Käufer anzunehmen. Statt baaren Geldeswürde er dir eine Anweisung geben und Demjenigen, auf den sie lautete, sagen: Zieh'Nureddin hinaus, solang es dir möglich ist, und hüte dich wohl, ihm seine Forderungzu bezahlen! So oft du dann kämest, dein Geld zu holen, würd' es heißen: DieAnweisung ist gut; aber heute kann ich nicht bezahlen: komm' morgen! So würde mandich von einem Tag zum andern herumziehen, bis du die Geduld verlörest und zuletztvor Zorn und Aerger die Anweisung zerrissest. Dann gute Nacht! Sklavin und Geldwäre verloren. Glaube mir, so würde es gehen: denn ich kenne meine Leute. Du
wärest nicht der Erste, dem er es so gemacht hat."
„Hadschi Hassan," erwiderte Nureddin, „ich danke dir für deinen Rath;
übrigens sey unbesorgt: ich werde meine Sklavin nicht an den Feind meines Hausesverkaufen lassen. So nothwendig ich das Geld brauche, will ich doch lieber in deräußersten Armuth sterben, als zugeben, daß sie ihm überliefert werde. Ich frage dichnur Eines: da du alle Gebräuche und Auswege bei diesem Handel weißt, so sage mirnur, was ich thun muß, um dieses zu verhindern."
„Herr," erwiderte Hadschi Hassan, „nichts ist leichter! Da ich mir zum Vorauseinbildete, daß du unter solchen Umständen nicht in den Kauf willigen würdest, so habeich auf dem Wege zu dir schon in meinen Gedanken ausgemacht, wie es am klügstenanzugreifen seyn möchte, den Handel rückgängig zu machen, ohne den böswilligen Vezier
zum Widerstand oder zur Rache zu reizen. Höre denn, was du zu thun hast. Stelle
dich, als hättest du im Zorn auf deine Sklavin geschworen, sie auf den Markt zu führen,aber nicht die Absicht gehabt, sie wirklich zu verkaufen, sondern dies nur gethan, umdeines Eides quitt zu werden. Das wird aller Welt genügen, und Muin wird nichtsdagegen einwenden können. Komm' denn; und in dem Augenblicke, wo ich sie Muinzuführe, als wenn es mit deiner Einwilligung geschähe, und der Handel geschloffen