636
Hundert und achtundneunzigste Nacht.
unterrichtet gewesen, und habe die Soldaten abgcschickt, uns Allen das Leben zu nehmen.Die beiden Sklavinnen folgten mir auf dem Fuße. Wir stiegen von Dach zu Dach undkamen endlich zu dem Hause braver Leute, die Mitlcidcn mit uns fühlten und uns gutaufnahmen. Am nächsten Morgen in der Frühe dankten wir den Leuten für diefreundschaftliche Aufnahme und begaben uns nach Scheins Unnahars Palast zurück.In großer Bckümmcrniß über das Schicksal der unglücklichen Liebenden betraten wir dieGemächer, wo uns die übrigen Frauen Scheins Unnahars voll Verwunderung überunsere Ankunft, ohne unsere Gebieterin, empfingen. Es gelang uns übrigens, Allesgeheim zu halten und die Frauen zu beruhigen, indem wir Vorgaben, unsere Herrinscy bei einer Freundin geblieben und werde uns schon wieder rufen lassen, wenn siezurückkehrcn wolle.
„Indessen brachte ich den Tag in der größten Unruhe zu; als es aber Nacht wurde,öffnete ich die kleine Thüre, die zum Flusse führt, rief den Schiffer eines kleinenBootes herbei, und bat ihn, den Fluß nach allen Seiten zu befahren und genau Achtzu geben, ob er nicht einen Nachen erblicke, worin sich eine vornehme Frau befände,und wenn er eines solchen ansichtig werde, ihn hiehcr zu führen.
„Bis gegen Mitternacht wartete ich voller Ungeduld mit den beiden Sklavinnen, alssich endlich ein Nachen, in welchem sich zwei Männer und eine Frau befanden, derThüre näherte. Der Eine ruderte, der Andere stand in demselben und die Frau lag imHinterraume. Als der Nachen an der Thüre angelegt hatte, halfen die Männer derFrau aussteigcn, und siehe da! in freudiger Ueberraschung erkannte ich in ihr meineverehrte Gebieterin Scheins Unnahar, und kam beinahe ganz außer mir vorunaussprechlicher Freude über ihre Rettung."