580 Hundert unh achtzigste Nacht.
wenn ihr in der Nähe schon so seyd, was wollt ihr in der Entfernung beginnen?
Seyd munter und verscheucht den Kummer! Liebende müssen ihre Zeit, wie eine Beute,
schnell benützen." Sie hörten auf zu weinen, und Scheins Unnahar machte derersten Sklavin ein Zeichen; diese ging schnell weg und kam mit zwei Sklavinnen wieder,die ein silbernes Tischchen trugen, das sie vor Ali und den Specercihändler setzten.Scheins Unnahar ging auf sie zu und sagte: „Nach einer solchen Unterredung darfman wohl durch fröhlichen Scherz sich erheitern." Sie setzten sich dann zu Tische, undScheins Unnahar fing an zu essen und dem Ali Speisen vorzulegen. Als sie genuggegessen hatten, ward der Tisch weggetragen; man brachte dann ein silbernes Waschbecken,mit einer goldenen Kanne, sie wuschen ihre Hände und gingen wieder auf ihren Platz.Scheins Unnahar winkte wieder einer Sklavin; diese blieb eine Weile weg, kamdann mit drei Sklaven zurück, welche drei goldene Platten brachten; auf jeder derselbenwar eine Flasche aus Krystall, mit Gold verziert und mit köstlichem Wein gefüllt.
Es ward jedem eine Platte vorgestellt. Hieraus befahl Scheins Unnahar zehn
Sklavinnen, sich an unsere Seite zu stellen, auch ließ sie zehn Sängerinnen kommen;alle klebrigen mußten sich entfernen. Sie nahm dann einen Becher, füllte ihn und ließein Mädchen folgende Verse singen:
»Ich gebe mein Leben hin für den, der meinen Gruß lachend erwidert; erhat nach der Verzweiflung mir wieder Lust zur Vereinigung gegeben. Sobalder erscheint, entdeckt die Sehnsucht meine Geheimnisse, und zeigt denen, diemich tadeln, was ich im Herzen trage; die Thränen meiner Augen bilden eineScheidewand zwischen mir und dem Geliebten, als wenn die Thränen ihn ebenso liebten, wie ich!"
Sie trank den Becher aus, füllte einen andern mit Wein und reichte ihn ihremgeliebten Ali. Er nahm ihn und bat eine Sklavin, folgende Verse zu singen:
„Wie dieser Wein, fließen auch meine Thränen; wer hat wohl, wie ich, ausdem Auge wie aus einem Becher getrunken? Ich weiß wirklich nicht, ob meineAugen Wein vergießen, oder ob ich meine Thränen getrunken."
Der junge Mann trank, und Schems Unnahar füllte einen dritten Becher undreichte ihn Ab ul Hassan; dieser nahm ihn an, und sie ergriff eine Laute von einem