Hundert und scchsnndsicbenzigfte Macht. 569
und tranken die köstlichsten Weine. Als sie satt waren, brachte man ihnen zwei goldeneWaschbecken, sie wuschen ihre Hände; dann brachte man Weihrauch, sie bcräuchertensich; dann brachte man ihnen in Goldgesäßen krystallene Becher, welche mit Edelsteinenbesetzt waren, und gefüllt mit Ambra, Moschus und Rosenwasser; sie parsümirten sichdamit und setzten sich nieder. In einer kurzen Weile hieß sie die Sklavin aufstehen
und führte sie in einen andern Saal, dessen Kuppel von hundert Säulen getragen
wurde; die Füße der Säulen waren mit vergoldeten Thiercn und Vögeln verziert, derBoden war mit seidenen Teppichen belegt. Als die Beiden sich setzten und den Saalnäher betrachteten, fanden sie, daß der ganze Grund von Gold war, auf welchem
weiße und rothe Rosen gestickt waren; aus demselben Stoff war die Decke der Kuppel.Auch waren allerlei Gemälde und chinesische Gefäße aus Gold und Krpstall, mit
prachtvollen Edelsteinen besetzt, im Saale. Am obern Ende desselben waren viele Fenster,und vor einem jedem stand ein Divan, mit der feinsten Stickerei überzogen und jedervon einer andern Farbe; diese Fenster gingen in einen Garten, dessen Boden demGrunde der Teppiche glich. Rings umher floß Wasser aus einem großen Teich ineinen kleinern; die Ufer des Teichs waren mit Narcissen, Basiliken und andern seltenenPflanzen, in goldenen, mit Edelsteinen verzierten Vasen, besetzt.
Die Bäume in diesem Garten waren dicht ineinander geschlungen, die Früchteauf ihnen waren so reif, daß sie bei jedem Säuseln des Windes aus die Oberflächedes Wassers fielen. Eine Menge Vögel ließ sich in diesem Garten nieder, sie schlugen ihreFlügel zusammen und unterhielten sich mit einander durch ihr Gezwitscher, das in allenmöglichen Tönen erschallte. An beiden Seiten des Teiches waren Stühle von Ebenholz,mit Silber ausgelegt, aufgestellt; auf jedem Stuhle saß ein Mädchen, das glänzenderwar als die Sonne, kostbar gekleidet, mit einer Laute oder einem andern Instrumentevor sich; es vereinte sich so der Gesang der Mädchen mit dem der Vögel und dasSäuseln des Windes mit dem Plätschern des Wassers. Bald blies der Wind eine Roseauf, bald warf er eine Frucht herunter.
Während Ali und Abul Hassan ihre Augen und ihre Gedanken an dieser Prachtund Schönheit weideten, und sie bald nach dem Garten, bald nach dem Saale und aufden Teich richteten, ja, ganz hingerissen von der Anmuth und Lieblichkeit, wie von dergroßartigen Zusammenstellung aller dieser Gegenstände, in das höchste Erstaunen versetztwaren, wendete sich Ali, Sohn des Bekar, zu Abul Hassan und sagte zu ihm:„Wisse, mein Freund! der größte Weise und der Verständigste, der nur gesunde Sinnehat, muß Alles dies auch schön finden und davon entzückt und hingerissen werden; wie
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