534 Hundert und vicrundscchzigstc Aacht.
da schlugen und mißhandelten sie mich und nahmen all mein Vermögen, und nunflüchte ich mich zu Gott und zu dir, du wirst mir wohl das Meinigc wieder zuverschaffen wissen. Willst du dich überzeugen, daß ich die Wahrheit gesprochen, so
laß jeden von ihnen noch einmal so viel prügeln, als mich, und sie werden dann auchihre Augen öffnen."
„Der Oberste befahl sogleich, daß man sie züchtige. Man fing mit meinem Bruderan und band ihn an eine Treppe fest. Der Oberste sagte ihnen: „Ihr verworfenenLeute! verleugnet ihr so die Wohlthaten Gottes und stellt euch blind?" MeinBruder entgegnete: „Bei Gott, mein Sultan! Keiner von uns sieht etwas." Aberman prügelte ihn doch, bis er in Ohnmacht fiel. Da sagte der Oberste: „Laßt ihn,bis er wieder zu sich kömmt, dann prügelt ihn wieder: denn der kann's besser aushalten,! als wir."
„Indessen ließ er auch den andern Beiden jedem mehr als dreihundert Prügelgeben; und der Nichtblindc sagte immer: „Oeffnet eure Augen, sonst werdet ihr dreimalgeprügelt." Dann sagte er zum Obersten: „Schicke Jemanden mit mir, der das GeldHieherbringe, da diese Leute doch ihre Augen nicht öffnen werden, denn sie fürchten,^ sich vor den Leuten so zu beschimpfen." Der Oberste ließ das Geld holen, gab dem! Nichtblinden 2500 Dirham, weil er dies für seinen Theil hielt, nahm das Uebrigefür sich und verwies die drei Blinden aus der Stadt. Nun, o Fürst der Gläubigen!ging ich meinem Bruder nach, fragte ihn, wie es ihm gehe, und als er mir das,was ich dir eben erzählt, berichtet, brachte ich ihn heimlich wieder in die Stadtund gab ihm seinen bestimmten Lebensunterhalt, so daß er im Verborgenen essenund trinken kann.
„Der Chalif lachte über meine Erzählung und sagte: „Gebt ihm ein Geschenk undlaßt ihn gehen!" Ich sagte jedoch: Bei Gott, o Fürst der Gläubigen! ich rede janicht viel.
„Aber mein vierter Bruder war halbblind: er war ein Metzger, verkaufte Fleischin Bagdad und mästete Hämmel; die vornehmsten und reichsten Leute kamen zu ihmund kauften Fleisch bei ihm; er erwarb sich ein großes Vermögen und kaufte sich Häuserund Güter.
„Nachdem er lange so gelebt und einst in seinem Laden war, kam ein Mannmit großem Barte zu ihm und gab ihm Geld und sagte: „Gib mir Fleisch dafür!"Er schnitt ihm ab, soviel ihm zukam, und der Alte ging wieder. Da betrachtete