A c u n un d n r n n z i g st e Aach t. 363
Als Schemsuddin dies hörte, bat er um die Erlaubniß, zu ihr zu gehen, die ihmauch sogleich gegeben ward. Er begab sich hierauf in die Wohnung seines BrudersNuruddinj küßte vor Freude die Hausschwelle, und als ihm wieder sein Bruder,der in der Fremde gestorben, einfiel, sprach er folgende Verse:
„Ich möchte Tag und Nacht bei diesem Hause zubringen, und diese undjene Mauer küssen; doch nicht Liebe zum Hause füllt mein Herz, sondern zudenen, die es bewohnen."
„Als er zur großen Pforte hineintrat, kam er in eine geräumige Halle, vonverschiedenartigem Marmor gewölbt und mit kostbaren Blumenmalereien verziert; als ersich im Innern des Hauses umsah, fand er an den Wänden den Namen seines Brudersmit Goldbuchstaben und Azurfarbe geschrieben; er küßte ihn, erinnerte sich wieder an dieTrennung, weinte und sprach folgende Verse:
„Ich frage die Sonne nach euch, so oft sie aufgeht, und den Blitz, sooft er leuchtet. Ich bringe die Nächte in den Armen der Sehnsucht zu undklage ihr meine» Schmerz nicht. O meine Freunde! dehnt sich eureEntfernung noch in die Länge, so wird sie mich ganz zermalmen. Dochwolltet ihr meinen Augen noch einmal vergönnen, euch zu sehen, so werdetihr dadurch die schönste Vereinigung bewirken. Glaubt nicht, daß ich michmit Anderen abgebe, mein Herz hat nicht mehr Raum für Liebe zu Anderen.
Bemitleidet einen Liebenden, den die Liebesschmerzen drücken, dessen Innerstesdurch eure Trennung zerknirscht worden. O wenn mein Schicksal mir nocheinmal vergönnte, euch zu erblicken, wie dankbar würde ich ihm für diesesWiedersehen sepnl Möge Gott dem Verleumder seinen Schutz entziehen, derunsere Trennung wünscht, und der Fuß unbrauchbar werden, der, umunsere Trennung zn verlängern, sich bewegt!"
„Er ging dann zur Thüre des Saals, in welcher seine Schwägerin, die MutterHassans, war. Diese Frau hatte immerfort geweint und geklagt, seitdem ihr SohnHassan verschwunden war. Nachdem sie so viele Tage und Nächte durchweint hatte,ließ sie ihrem Sohne mitten im Zimmer ein Grabmal errichten, und weinte daraufTag und Nacht. Als nun Hassan die Thüre öffnete, fand er seine Schwägerin,