Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
279
Einzelbild herunterladen
 

Zweiiindsiebenzigste Nacht. 379

ein Stück Holz zerriß meinen Schleier und verwundete mich." Da sagte er:Ichwerde morgen den Stadtaufseher bitten, alle Träger aufzuhängen." Ich erwiderte ihm:O mein Herr! das geht nicht, die Leute so zu hängen und ihr Blut zu vergießen; ichbin selbst Schuld darau, denn ich ritt auf einem Micthesel, der Eseltreiber trieb ihn zustark, er stolperte mit mir, ich fiel mit dem Gesichte auf die Erde, wo zufällig ein StückGlas lag, das meine Wange rizte." Da sagte er:Bei Gott! ehe die Sonne aufgeht,lass' ich durch Dsafar alle Eseltreiber und alle Straßenkehrer hängen." Ich sagte:O mein Herr! meinetwillen sollst du Niemanden hängen lassen." Er fragte dannwieder:Nun, woher kömmt denn die Wunde auf deiner Wange?" Ich sagte:GottesUrtheil und Bestimmung hat sie getroffen." Ich suchte ihm auszuweichen, aber er drangso lange in mich, bis ich in meinen Reden mich verwirrte, und er zulezt die Wahrheiterfuhr. Da schrie er mich an:Du hast deinen Eid gebrochen!" Auf diesen Rufkamen aus einem Kabinete drei schwarze Sklaven herbei; er befahl ihnen, mich ausdem Bette zu schleppen und auf den Rücken mitten im Zimmer hinzuwerfen; der einesezte sich über meinen Kopf, der andere zu Füßen, der dritte entblößte sein Schwert, undmein Mann sagte ihm: spalte sie in zwei Theile und werft sie in den Tigris, daß dieFische sie fressen; es ist der Lohn für ihren Meineid. Er rief dann im heftigsten Zornenoch folgende Verse aus:

Nimmt noch Jemand Thcil an dem Gegenstände meiner Liebe, soverschmäht mein Herz eine solche Liebe, und müßte ich auch vor Gram sterben!

Ich rufe meiner Seele zu: mein Tod ist edel! Nichts Gutes ist bei einerLiebe, die man theilen muß."

Als er dem Sklaven noch einmal befahl, mich zu tödten, sezte dieser sich über michher und sprach:Hast du noch was aus dem Herzen vor dem Tode? denn dies ist deinelezte Stunde auf dieser Welt." Ich sagte:Steht ein wenig von mir auf, daß ichmeinem Manne etwas sage." Ich hob meinen Kopf auf, und sah, in welchem Zustandevon Erniedrigung ich nach einem solchen Glanze mich befand, wie nun der Tod meinemLeben ein Ende machen solle. Ich mußte heftig weinen; mein Mann sah mich zornigan und sprach folgende Verse:

Sage dem, der, unserer Vereinigung überdrüssig, uns Unrecht gethanund an einem andern Geliebten Wohlgefallen gefunden: wir sind deiner satt,ehe du unserer ganz überdrüssig wirst; wir haben genug mit dem, waszwischen uns vorgefaßten."