Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
198
Einzelbild herunterladen
 

198 S i e b e u n n d »> i e r z i g st r A a ch t.

Ich vermochte nicht, ihr genug für ihre Freundlichkeit zu danken, ihre Liebe durch-

strömte alle meine Glieder, der Wein, den wir den Tag über zusammen genossen hatten,verscheuchte alle meine Sorgen, und die Nacht, die diesem Tage folgte, war die seligstemeines ganzen Lebens. Da wir aber auch am andern Morgen wieder, wie am verflosse-nen Tage, nur dem Vergnügen lebten, da sagte ich ihr, nachdem ich vom vielen Weinganz besinnungslos geworden war und kaum mehr aufrecht stehen konnte:Komm Holde,verlasse diesen Kerker, steige mit mir zur Erde hinauf!" Sie aber sprach:Bleibe dochruhig, mein Herr, genügt es dir nicht, von zehn Tagen neun bei mir zuzubringen?" Ich

aber antwortete ihr in meinem Rausche:Ich werde sogleich auf den Talisman schlagen

und wenn der Geist erscheint, ihn umbringen. Ich habe deren schon zu Dutzenden todtgeschlagen." Als die Schöne dies hörte, ward sie blaß, beschwor mich beim Allah, diesnicht zu thun und sprach folgende Verse:

O du, der du selbst die Trcuuung hcrbcirufst, übereile dich nicht.

Du kennst ja die Treulosigkeit des Schicksals, das jeder Vereinigung mitTrennung droht."

Ich war aber so trunken, daß, trotz ihrer Bitten, ich doch mit dem Fuße aufden Talisman trat."

Schehcrsad bemerkte hier den Tag und schwieg; in der folgenden Nacht fuhr siefort:

MW