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Drittes Kapitel. Das Eigentum.
§ 124. Die Regalien und das Grundeigentum 1 .
I. Geschichte. „Regalia“ oder „jura regalia“ nannte mauim Mittelalter alle dem Könige zustelienden Rechte 2 3 . Seit dem12. Jahrhundert wurden sie von den italienischen Juristen ohneUnterscheidung zwischen Hoheitsrechten und Privatrechten auf-gezählt. In gleich bunter Mischung führt die von Friedrich I. aufdem Ronkalischen Reichstage von 1158 erlassene Konstitution als„Regalia“ alle dem Könige in Oberitalien gebührenden Rechteauf 8 .
Die patrimoniale Grundrichtung der Zeit bewirkte zweierlei.Einerseits schob sie bei allen königlichen Rechten mit Einschlufsder obersten Hoheitsrechte die nutzbare Seite in den Vorder-grund, so dafs der Begriff der Regalien eine vermögensrechtlicheFärbung empfing 4 * . Andererseits führte sie zur Verstaatlichungnutzbarer Privat rechte, so dafs auch rein vermögensrechtlicheBefugnisse mehr und mehr dem Könige Vorbehalten und namentlichaus dem ursprünglichen Inhalte des Grundeigentums Vermögens-werte Bestandteile herausgehoben und unter die Regalien versetztwurden 6 * .
Zugleich aber ergab sich hieraus die Behandlung aller Regalienals übertragbarer Gerechtsame, die auf Grund königlicher
1 .Targow, Von den Regalien, Rostock 1757. Hüllmann, Geschichtedes Ursprungs der Regalien in Deutschland, Frankf. a. 0. 1806. Gemeiner,Beitrag zur Lehre von den Regalien, München 1842. H.A. Zachariae, Z. f.D.R. XIII 319 ff. Strauch, Über Ursprung und Natur der Regalien, Erlangen1865. Franklin s. v. „Regalien“ in Holtzendorffs Rechtslex. III 318 ff. —Grimm, R.A. I 344 ff. Heusler, Inst. I 368 ff. — Mittermaier, D.P.R. 1§ 200 ff. Maurenbrecher I § 269 ff. Beseler§92. Stobbe-Lehmann II, 1S. 289 ff. — Zöpfl, Staatsr. II § 541 ff. G. Meyer, V.R. II 185 ff H. Schulze,Preufs. Staatsr. II 462 ff. M. Seydel, Bayr. Staatsr. IV 254 ff. — A. Wagner,Finanzwiss. I 475, 487 ff, 501 ff, II 259 ff. W. Tr e eit sch, Ilandwörterb. derStaatswiss. VI 351 ff.
2 Zuerst begegnet das Wort „Regalia“ als technischer Ausdruck imWormser Konkordat v. 1122 (M.G.L. s. IV t. I p. 159 ff.) für die vom Königeden geistlichen Fürsten verliehenen Rechte.
3 Const. „Quae sint Regalia“; M.G.L. s. IV t. I p. 244; II Feud. 56.Heerbann, öffentliche Wege, Flüsse, Häfen und Ufer, Zölle, Münze, Bufsen,erbloses und verwirktes Gut, allerlei Steuern und Abgaben, Gerichtsherrlich-keit, Silberbergwerke, Fischerei, Salinen, Königsburgen, Schatzfund.
4 So schon in der Const. de Regalihus.
6 Daher schon im Anfänge des 13. Jahrh. die bekannte Klage Frei-
gedanks: die fürsten twingent mit gewalt — velt, stein, wazzer und walt, —
darzuo beide wilt und zam; — sie taeten luft gern alsam etc.