§ 74. Agrargenossenschaften.
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oder lediglich auf das Herkommen verweist, kann ihre Persönlichkeitschon deshalb nicht bezweifelt werden, weil in ihnen ein Stück alterGemeindepersönlichkeit fortlebt * 11 . So ist denn auch in der gemein-rechtlichen Praxis die Behandlung der Agrargenossenschaften alsKörperschaften ziemlich allgemein durchgedrungen 12 . Nur im Gebietedes preufsischen Landrechtes bilden nach ausdrücklicher Gesetzesvor-schrift die allmendberechtigten Gemeindeangehörigen „keine beson-dere Korporation“, sondern blos eine „Klasse“ mit „gemeinschaft-lichem Privatvermögen“ 13 ; sie fallen jedoch unter den preul'sisch-rechtlichen Begriff der „erlaubten Privatgesellschaft“, für die wenigstensnach innen Körperschaftsrecht gilt 14 .
v. 1840 Art. 10 mit Art. 2 u. 16 behandelt eine solche Klasse als einen besonderen„Verein“. — Allgemein gelten in der Schweiz die Allmendgenossenschaften alsKörperschaften; vgl. Bluntschli, R.G. II 381 ff., Renaud a. a. 0. S. 69 ff.,74, 96, Z. f. Schweiz. R. VI 9 ff., Stettier, Gemeinde- u. Biirgerrechtsverh. inBern, S. 56 ff. u. 88 ff, Gierke, Genossenschaftsr. I 685 ff., Heusler, Inst. 1291 ff., Huber I 157 ff. So führt denn auch das Schweiz. O.R. Art. 719 die„Allmendgenossenschaften“ als eine Gattung der durch das kantonale Recht zuordnenden „juristischen Personen“ auf.
11 Vgl. Renaud a. a. 0. S. 80 ff. u. 87 ff, Römer a. a. 0. S. 107 ff.,Gierke, Genossenschaftsr. I 687 u. Genosseuschaftsth. S. 212 ff., Gengier, D.P.R.S. 189. — Selbstverständlich kann jedoch in einzelnen Fällen ein blofses gemein-schaftliches Eigenthum (sei es nun Miteigenthum oder Eigenthumsgemeinschaft zurgesammten Hand) mehrerer Personen an einem ehemaligen Allmendgut vorliegen;insbesondere besteht vielfach zwischen mehreren Gemeinden eine blofse Gemein-schaft, die nicht oder doch nicht mehr als Markgenossenschaft mit eigner Persönlich-keit erscheint. Dann ist aber eine „Agrargenossenschaft“ nicht vorhanden.
12 Vgl. Seuff. I Nr. 315, XIII Nr. 124 („juristische Person“), XV Nr. 102,XVIII Nr. 3, XXI Nr. 201 u. 202, XXIII Nr. 107 u. 109 („deutschrechtliche Ge-nossenschaft“), XXVII Nr. 102; Schüler I 285 ff.; Bayr. Blätter f. RechtsanwendungXV 253 u. XIX 240; dazu Gierke, Genossenschaftsth. S. 66 Anm. 1, 67 Anm. 2 u. 4,73 Anm. 2 u. 213. Ueber die Praxis bezüglich der württemb. Realgemeinden vgl.Bitzer a. a. O. S. 19 ff., Renaud a. a. O. S. 72 ff, Römer a. a. O. S. 94 ff.,Weiske, Prakt. Unters. 48 ff; bezüglich der hessischen NutzungsgemeindenRenaud S. 75 ff, Weiske S. 69 ff, Sternberg I 7, 21, 23, 25, 29 u. 60. —Regelmäfsig wird daher auch einer durch ein Gesammtnutzungsrecht oder eine Ge-sammtlast verbundenen Einwohnerklasse die selbständige Parteifähigkeit nicht nurin Prozessen wider die Gemeinde oder eine andere Einwohnerklasse, sondern auchin Prozessen mit Dritten zugestanden; Seuff. I Nr. 314—316, XII Nr. 229, XVNr. 205, XXIII Nr. 108, XXVIII Nr. 103, XXXI Nr. 199; abweichend ib. XXIIINr. 107; vgl. oben § 68 Anm. 67.
13 Pr. L.R. II, 7 § 23 ff. — Dadurch ist indefs das Vorkommen von Agrar-genossenschaften mit voller Korporationseigenschaft nicht ausgeschlossen; vgl. östl.St.O. § 49, Westfäl. St.O. § 48 u. L.G.O. § 52.
14 Pr. L.R. II, 7 § 25 und 27 u. dazu Gierke, Genossenschaftsth. S. 102Anm. 2 u. 213. Auch das Preufs. Ges. über gemeinschaftliche Holzungen v. 14. März