§ 26. Die Einzelanwendung des Prinzips der Geltung fremder Recktsquellen. 237
Scheidungsklage * 01 . Ueberall aber wird auch hier der Richter durchausschließliche Sätze des einheimischen Rechts gebunden 92 .
b. Eheliches Güterrecht. Soweit das eheliche Güterrechtdurch Vertrag geordnet ist, wird es durch den Vertrag bestimmt, bisdessen Aufhebung erfolgt 93 . Im Uehrigen tritt das gesetzliche ehe-liche Güterrecht des ehemännlichen Personalstatuts im Augenblicke derEheschliefsung ein 94 . Dieses eheliche Güterrecht ergreift auch aus-
91 Seuff. XXIX Nr. 2, XXXII Xr. 203, XXXIII Nr. 96, XLII Nr. 7, XLVIINr. 259; R.Ger. III Nr. 4, XXIII Nr. 74, XXVII Nr. 54; Stobbe I 270 ff.; Roth
I 288; Rar I 482 11'.; Rohm S. 43 ff.; Jettei S. 54; Regelsberger § 45 II C.Hiermit stimmt regelmäfsig die Meinung überein, dafs ausschliefslicli die lex forianzuwenden sei; Savigny VIII 337; Schaffner § 124; Unger I 193; Asser-Cobn S. 67 ff.; Seuff. XLI Nr. 1; R.Ger. IX Nr. 48. Aber nicht immer (sonicht, wenn das Ehedomizil den Gerichtsstand der Scheidungsklage für Ausländer,deren Ehe von dem Gesetz ihrer Staatsangehörigkeit beherrscht wird, begründet;
R. Ger. III Nr. 14). Auch auf eine Tkatsache, die nach dem zur Zeit ihres Ein-tritts die Ehe beherrschenden Personalstatut kein Ehescheidungsgrund war, kannbei Veränderung des Personalstatuts die Scheidung gegründet werden; R.Ger. XVINr. 28, Seuff. XLV1 Nr. 27 S. 44; a. M. Rar I 487, Stobbe § 34 Anm. 11a,Deut. Entw. § 18 Abs. 2. Ueber die in fraudem legis durch scheinbare Verände-rung des Wohnsitzes oder der Staatsangehörigkeit erwirkte Ehescheidung vgl. dieLitt, über die sog. Siebenbürgischen Ehen (Bar I 490 ff, Jettei S. 51 Anm. 5)und über den Fall Beauffrcmont-Bibesco (Bar I 212 ff., Meili, Grundr. § 66). —Nach dem für die Ehescheidung mafsgebenden Recht richtet sich auch das Rechtder Kindererziehung; Seuff. XXXII Nr. 203, XXXIII Nr. 97, XXXVIII Nr. 1,XL Nr. 293. Ebenso die Fähigkeit zur Wiedörverheirathung, die aber auch durchein späteres Personalstatut erlangt werden kann; Bar I 494; a. M. Sicherer
S. 139 ff u. die österr. Praxis, die nur auf das jeweilige Personalstatut sehen, u.Stobbe I 269, der Fähigkeit nach beiden Gesetzen verlangt (anders 2. Aufl. I 239).
92 So erkennt das deutsche Recht die Polygamie nicht an (oben § 22 Anm. 19);so gewährt es keinem Ehemann ein Züchtigungsrecht und andere persönlicheZwangsrechte gegen die Frau, Bar I 481; so schreibt es die Scheidung vom Bandestatt der beständigen Trennung von Tisch und Bett durch den deutschen Richterzwingend vor, R.Ger. III Nr. 14, Seuff. XLII Nr. 1 (a. M. Bähr in Jahrb. f.Dogm. XXI 388 ff, Friedberg, Kirchenr. § 159 Anm. 43, Stobbe § 34Anm. 11 d, Regelsberger, Pand. I 179, O.L.G. Dresden in Annalen VI 268 ff.).
, 93 Für die Form des Ehevertrages gilt die Regel „locus regit actum“; über
Bestand und Inhalt entscheidet, soweit nicht hinsichtlich der dem nachgiebigenRecht ungehörigen Sätze der Parteiwille etwas Anderes ergiebt, das Personalstatutdes Mannes zur Zeit des Abschlusses; vgl. Bar I 525 ff.
94 Bar I 505 ff.; Böhm S. 48 ff. Vielfach aber wird auch da, wo sonst alsPersonalstatut die lex originis gilt, hinsichtlich der ehelichen Vermögensverhältnissedie lex domicilii als solches behandelt; so das Sachs. Gb. § 14; die fvanzös. u.rhein. Praxis, Barazetti S. 227 ff. u. 234; vgl. Stobbe § 34 Anm. 11a. Dagegensieht das badische Recht auch hier auf das Gesetz der Staatsangehörigkeit, Bara-zetti S. 231 ff, R.Ger. XXV Nr. 74; ebenso Zürcli. Gb. § 3 u. 164 (jetzt § 615);Deut. Entw. § 19 Abs. 1.