548
Buch III. Fünftes Hauptstück.
Schulden, verpfändet und verkauft, was er kann, presst sei-nen Unterthanen Geld ab, solange es möglich ist, drückt sieauf das Ausserste soviel er vermag, ist wild über jeden Wi-derstand, lässt Vornehme und Geringe, sogar den gesammtenStadtrath einkerkern, Mehrere unschuldig hinrichten, ohne Ur-tel, sogar einen goldberger Schüler, für den seines OheimsWittwe vergeblich bittet und darüber von ihm so hart angelassenwird, daß sie in Ohnmacht fällt. In der bei ihm gewöhnlichenTrunkenheit ist Niemand vor Mißhandlungen sicher, er stößtund schlägt um sich, ist grausam und fast toll. Er hätte seinganzes Fürstenthum durchgcbracht, wenn er hätte einen Käu-fer finden können. Auf viele Klagen der Landstände und be-sonders, weil er sogar französische Dienste genommen, wäh-rend das Reich im Kriege mit Frankreich war, hatte ihn Kai-ser Ferdinand I. des Fürstenthums (1551) entsetzt, welchesnun für seinen Sohn Heinrich sein Bruder Georg verwaltete.Nur unter eincngenden Bedingungen und weil der HerzogBesserung versprach, erhielt er die Regierung wieder, brachseine Zusicherungen, schlug seinen ältesten Sohn Heinrich mitder Faust, daß sich dieser zu seinem Oheim, Georg II., nachBrieg flüchtete, begann sein tolles Treiben von neuem undnoch ärger als zuvor, sodaß sich der Kaiser genöthigt sahauf vielfache Beschwerden des Landes gegen den trunkenenWüthcrich nochmals einzuschreiten. Cr ließ ihn gefangen sez-zcn und schrieb (1560): „Demnach wir aus deiner selbs Ver-schuldung und unvollzogener von dir gegebener Obligation, auchanderm deinem unordentlichen Leben und Regiment verursachtworden und uns auch gegen Gott und die Welt länger unverant-wortlich sein wollen, solch dein unbillig Beginnen und unnützlichVerschwenden der Gaben Gottes zu deinem selbst, deinerHaus-frau, Kinder und Unterthanen letzten Verderben und Unter-gang der Häuser Liegnitz langer zuzusehn und zu gestatten,haben wir dich deshalb in unsere gnedige Custodie (Gefäng-niß) nehmen und dagegen deinen ältesten Sohn HerzogHeinrich zur Regierung einführen lassen." Herzog Friedrichsaß in Liegnitz zehn Jahre in der Gefangenschaft seinesSohns, den er verfluchte und ihm voraussagte, es werde ihmeben so gehn.