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1 (1830) Vom Jahre 1191 bis 1640
Entstehung
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541
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Übersicht der inneren Verhältnisse. 541

liehen Obrigkeit Theil nehmen zu lassen. Die Stadtließ der jungen Fürstin am ersten Januar 1611 durch dieFrauen des Raths, von denen sie am Lhorc empfangen wur-de, einen Mantel von Goldstoff mit cingcwirktcn silbernenRosen, mit Hermelin gefüttert und mit Zobeln verbrämt, ei-nen Pelzhut mit echten Perlen benähet, einen Muff von fei-nem Marder, einen Fußsack von Sammt mit moskowitischcmWolf gefüttert und einen künstlich gegossenen und gravirtcnzinnernen Fußwarmer überreichen. Die Fürstin stieg aus demWagen und legte die Kleidungsstücke sogleich an. Am fol-genden Tage fand sie auf ihrem Tische ein mit Goldblech be-schlagenes Gebetbuch und einen Brief Stecknadeln, in welchemzweihundert Goldgulden, alle vom Gepräge ihres Vaters,des Kurfürsten, lagen. Dagegen besuchte die Herzogin inden nächsten Lagen die Frauen der Nathmänner der Reihenach, und lud sie und die Frauen der fürstlichen Näthe, derGeistlichen und Lehrer der Schulen zu einem Weinsüpp-lein und zu einem Marzipan ein. Obgleich reformirt, be-suchte sie doch die lutherische Kirche in den ihr von derStadt verehrten Kleidungsstücken, setzte sich neben die Fraudes Bürgermeisters und nüthigte diese ihre Füße mit inden Fußsack zu stecken, den sie von der Bürgerschaft erhaltenhatte.

Wer kann ohne Rührung lesen, wie die Kinder derStadtschule beschlossen den Namenstag der Herzogin (Doro-thea 6. Februar 1613) zu feiern, was die Fürstin, als sie cserfuhr, wegen anderweitiger Verhinderung auf den Sibyllen-tag (10. Septbr.) verschob, da wolle sie mit ihnen freudigsein und des jungen Herrleins (ihres Prinzen Georg, gcb. 4.Septbr. 1611) zweiten Geburtstag mitseiern, auch die Schrei-be- und Rechen-Bücher sehen. Nun waren die Kinder eifrig,daß die Altern ihnen mussten schöne Schreibebüchcr mit gol-denem oder scheckigem Papier vom Buchbinder kaufen. Wassie aus dem Katechismus, den Evangelien und an Gesängenam Sonnabend gelernt haben sollten, wussten sie schon amMittwoch auswendig. Die Klügeren halfen den Schwächerenein und sagten's ihnen vor, bis auch diese es wussten. KeinLärm und Schelmspossen, wie sonst gewöhnlich, wurde un-