528 Buch HI. Viertes Hauptstück.
durste nicht vergessen werden. Der König Wladislav vonPolen erhielt von den Ständen (1636) dreimalhunderttansendGulden bewilligt und suchte nun noch neue Seezölle anzulc-gcn. Danzig allein bezahlte, um sich davon zu befreien, acht-malhUnderttausend Gulden'). Der Kurfürst, nicht minder be-müht seine Einkünfte zu vermehren, führte neue Abgaben unterdem Namen der Schiffs - und Festungs-Gelder und die Rechnungnach Rcichsthalcrn ein, wodurch allein der Zoll um ein Fünf-theil erhöhet wurde. Er wurde von dem Könige gewonnen,als ihm dieser jährlich hunderttausend Gulden als einen An-thcil von den Einkünften des Scczolls zu geben versprach, undnur die Kurfürstin, welche großen Einfluß aus ihren Gemahlhatte, bewog ihn für jetzt seine Einwilligung zurückzunchmen.Dennoch schloß Georg Wilhelm bald nachher einen Vertragmit dem Könige 2 ), daß, wenn in Elbing und Danzig der Zollcingeführt würde, dieses auch in Memel und Pillau geschehnund der Kurfürst davon die Hälfte der Einnahme haben solle.Bei einer Zusammenkunft in Grodüo wurde er sogar bewo-gen mit der Erhebung des Zolls den Anfang zu machen, wasdem preussischcn Handel gewiß sehr nachthcilig war und derEinwohner Unzufriedenheit erregte, denn durch Beschwerungdes Handels litt Jeder. Die Stande betrachteten cs als Ein-griff in ihre Rechte. Durch seine Verbindung mit dem Kö-nige von einer Seite gesichert, begann der Kurfürst nun ge-gen die Stände immer nachdrücklicher aufzutreten. Er hattebereits durch Spaltungen derselben, bei der starken Spannungzwischen dem Adel und den Städten, viel gewonnen und vor-züglich diese zu demüthigen gesucht, daher den kleinen Städ-ten die Abfassung eigener Polizcigesetze und Willkühren ohneZuthun des Adels und der Hauptstadt Königsberg verboten.Als sich aber diese bei dem stumsdorfer Waffenstillstände zwi-schen Polen und Schweden auf ihr Recht besonderer Einwil-ligung dazu berief, drohete der Statthalter dem Stadtschrei-
1) Lengnich Preussen unter Wladislaus IV. S. 87., obgleich nachdessen Angabe der Krieg gegen Schweden der Stadt zehn Millionen Gul-den gekostet hatte.
2) Lengnich a. a. O. S. 15 giebt das Datum nicht an und sagtnur, er sei in Berlin, also wohl 1638 geschlossen worden.