Der dreissigjährige Krieg.
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Schweden richtig zu würdigen, müssen wir kurz den Gangder Ereignisse seit der Landung Gustavs übcrschn.
Beide Kurfürsten waren zuvörderst Männer, welche sichmehr an der Tafel und beim Pokale und Humpen auszcich-ncten als im Rathe. Johann Georg war als Haupttrinkcrbekannt, weshalb man ihn auch den Merseburger Bierkönignannte '); ferner wurden beide Fürsten großenthcils von ih-ren Dienern geleitet. Dennoch scheint es daß der Kurfürstvon Sachsen selbstständiger war als Georg Wilhelm. Dieserhatte ein wenn auch sehr schwächliches Ehrgefühl, welches ihnmehrmals zu schwankenden Maßregeln bewog; der Sachsedagegen erscheint ohne alle höhere Gesinnung und ausser sei-nen Genüssen nur dem Neide -und der Habsucht anhcimgc-gcben. Als ein rechter strenger Lutheraner verband er sich mitden Katholiken gegen den calvinistischcn Pfälzer in Böhmen.Er sah bald, wie wenig der Kaiser sein ihm gegebenes Wortgegen die evangelischen Böhmen hielt; allein nun wurden ihmdie Lausitzen unterpfändlich eingeräumt und er wieder gewon-nen. Der Hülferuf der Schlesier gegen die Dragonaden derKaiserlichen fand ihn taub, er weigerte sich Gustav zur Ret-tung Magdeburgs beizustehn, und erst als er selbst die Klauendes Löwen fühlte, mit dem er bisher vereinigt gejagt hatte,warf er sich angstvoll in Gustavs Arme, der ihn durch dieSchlacht bei Leipzig rettete. Sogleich erwachte auch seine Ei-fersucht wieder gegen den König. Arnim, der diesem ohne-hin abgeneigt war, verfuhr in Böhmen höchst säumig, dranggar nicht nach Österreich vor, ließ dem Kaiser dadurch hin-längliche Zeit ein neues Heer zu rüsten und räumte dannBöhmen so leicht, als er es eingenommen hatte. Nun würdesich schon damals der Kurfürst wohl wieder zum Kaiser ge-wendet haben, wenn er entschiedenen Vortheil dabei gesehenhatte. Gustav trauete ihm so wenig, daß er ihn bereits imVerdachte wegen Abschlusses eines besonder» Friedens hatte
1) Försters Wallsnsteln Bb. II. S. 77. und Cosmars Schwar-zenberg S. 128. Schwarzenberg sagt: er habe am sächsischen Hofe wohlzehn Jahre seines Lebens abgesoffen und zwar, wie sich crgiebt, weilman ihm so stark zutrank.