495
Der dreissi'gjahrige Krieg.
Eben hatte der kaiserliche General Jllo drohend von ihm dieAufnahme einer kaiserlichen Besatzung verlangt. Der Herzog,welcher weder den Kaiser noch die Verbündeten beleidigenwollte, lehnte den Antrag nicht ganz ab, wollte sich aber,um selbst sicher zu sein, nur im höchsten Nothfalle, untermancherlei Beschränkungen dazu verstehen. Jllo zog ab undließ zwölf Compagnien eben erst geworbener Reiter im übel-sten Zustande vor Licgnitz zurück, welche sogleich, als eineAbthcilung der Verbündeten erschien, zersprengt wurden und s.Aug.flüchteten. Nun verlangten die Verbündeten vom Herzoge,was dieser dem Jllo gewissermaßen abgeschlagen hatte. DerHerzog wollte parteilos bleiben. Arnim erschien selbst mitdem Heere vor der Stadt, erklärte, wie früher, zur Aufrccht-haltung des Accords bevollmächtigt zu sein, verlangte Einlaßund besonders den Zutritt des Herzogs zum Bunde, weil die-ses auf die übrigen protestantischen Stände sehr gewirkt habenwürde. Es kam bei der Weigerung des Herzogs gegenseitigzu heftigen Erörterungen. Die Verbündeten plünderten dieDörfer, Kirchen und Mühlen rings umher. Arnim bcdrohcteLiegnitz mit einem Angriffe, gab diesen aber unerwartet auf,denn es stand noch ein kaiserliches Heer unter Don Baltha-sar von Marradas bei Steinau. Der Herzog erhielt die vonihm sehr ängstlich gewünschte Parteilosigkeit mündlich gestattetund versprach ebenso Nichts gegen die Verbündeten thun zu iZ.Augwollen.
Hier zeigte sich bei dem angeschnsten Fürsten, wie beiden evangelischen Ständen in Schlesien überall die Stim-mung war. Die Stände hatten, durch den Übeln Erfolg derbisherigen Unternehmungen gegen den Kaiser und durch dasSchicksal des Markgrafen Johann Georg von Jägerndorf ge-schreckt, fast alle Zuversicht verloren. Das gemeine Volk,größtcnthcils noch im Herzen evangelisch gesinnt, gab gernjeder Hoffnung Raum und sprach sich sogleich laut aus. Die-jenigen aber, welche weiter sahen, erwogen erstens die nichtübermäßige Stärke der Verbündeten, denen die Kaiserlichennoch die Spitze bieten konnten, zweitens die bisherigen Wech-selfällc und die Gefahr, welche mit dem Ergreifen der Par-tei gegen den Kaiser verbunden war, drittens hauptsächlich