480 Buch III. Viertes Hauptstück,
für den Augenblick seinen Einfluß verlieren. Er wurde zuSendungen nach Holland und Westphalen gebraucht und wirktedoch immer noch geheim auf den Kurfürsten. Der König warmit den letzten Gründen für seine Sache und für die Ände-rung der brandenburgischcn Staatsweisheit in Berlin, derKurfürst viel zu schwach, um dem vereinten Andrangc Wider-stand zu leisten, dagegen auch wieder zu furchtsam vor des Kai-sers Rache und zu sehr gegen Gustav gestimmt, um sich treuan ihn anzuschlicfscn. Dieser schonte ihn daher und verlangtenur das durchaus Nothwendige. Als es dem Kurfürsten sehrschwer wurde sich zu eutschliessen, that es dem Könige selbstleid, weshalb er sagte: „Ich kann es ihm nicht verdenken,daß er traurig wird, cs sind gefährliche Dinge die ich ver-lange, aber doch nicht zu meinem, sondern zu seinem undseines Landes Besten. Ich will Magdeburg entsetzen. Willmir Niemand bcistehn, so gehe ich zurück und biete dem Kai-ser einen Vergleich an, den er gern cingehn wird. Aber amjüngsten Tage werdet ihr angcklagt werden, daß ihr Nichtsbei dem Evangelium habt thun wollen; denn ist Magdeburgweg und ich ziehe davon, so seht zu, wie es euch gehn wird."
4. Mai Also gab der Kurfürst nach, daß in die Festung Span-
1031 dau eine schwedische Besatzung von fünfhundert Mann gelegt,dieselbe aber, sobald Magdeburg wieder entsetzt, der Königin Sicherheit und der Feste zu einem Rückzuge nicht mehrbedürftig sei, wieder abgcsührt werden sollte '). Nach-dem der König Spandau besetzt hatte, rückte er über Pots-dam und Brandenburg gegen die Elbe vor. Überall wichendie Kaiserlichen und waren sogar bereit die Schanze an derdcfsaucr Elbbrücke aufzugeben, welche Aldringen früher gegenMansfeld so tapfer vcrthcidigt hatte. Gustav konnte das nichtvermuthcn und verlangte von dem Kurfürsten von Sachsendie Einräumung Wittenbergs, um einen freien Paß über dieElbe zu haben, was dieser verweigerte. Eben hatte er vomKurfürsten von Brandenburg noch die eidliche Zusicherung er-
1) Senke n b erg-H ä be rlin s RcichSgeschichte Band XXVI. S.724. König, historische Schilderungen von Berlin, Bd. I. S. 338, hakeinige Actcnstücke über die gepflogenen Verhandlungen.