gistrate ganz oder thcilweise mit Protestanten besetzt. Ein Für-stentagsbeschluß verbot den zanksüchtigen Geistlichen, die sichnicht allein unter den Katholiken, sondern noch weit mehrunter den Evangelischen finden sollten, das Schmähen undVerketzern und Verteufeln derjenigen, welche ihrer Sorgenicht anvcrtrauet waren, ermahnte zur Einigkeit und drohetemit Absetzung und Landesverweisung ').
Friedrich von der Pfalz war nicht der Mann, welcheres verstanden hätte dem ausgedehnten Bunde Böhmens undder zu demselben gehörigen Länder mit Österreich und Ungarndie nöthige Festigkeit zu geben und, was bei Volksbewegun-gen immer entscheidend ist, sogleich den Eifer der Massen zubenützen, um seinen Gegner völlig niederzuschlagen. An-statt diesen Hauptzweck im Auge zu behalten, verschwendete erviele Zeit mit unnützen Festen, verstieß bei dem gemeinenBöhmen durch seinen hier sehr unpassenden Eifer für Ein-führung des reformirten Gottesdienstes, bei den Großen, daßer nicht den Grafen Thurn, sondern den General seines Va-ters, den Fürsten Christian von Anhalt, und den Grafen Ho-henlohe an die Spitze des Heeres stellte, was auch den Gra-fen Mansfeld verdroß, wendete endlich die Gemüther von sichab durch Vernachlässigung des Anstands, wie er sich dennöffentlich in der Moldau badete; seine Gemahlin beleidigtedurch ihren Stolz. Man sollte kaum glauben, daß er sichmit der Hoffnung schmeichelte, durch friedliche Unterhandlun-gen seine Krone behaupten zu können, wozu die Artikel be-reits entworfen waren. Allerdings war cs schwer, die sehrgetrennten Interessen der vielen Verbündeten gehörig zuvereinigen. Der Fürst Bethlen Gabor von Siebenbürgenverfolgte seinen eigenen Vortheil, in den übrigen Ländernverflog der erste Eifer; anstatt selbst alle Kraft aufzubieten,rechnete immer Einer auf den Andern und hoffte auf stärkernBeistand, als er erhielt; dann hatten Alle vielerlei Entschul-digungen wegen nicht hinlänglicher Rüstung. Eben so ver-geblich hoffte Friedrich auf seinen Schwiegervater, den König
1) Nachweisungen über die gedruckte» Aktenstücke aus dieser Zeitgiebt VVnItlisri 8ilesiu üiglomuticu 1. II. p. 22 ff.