Nächste Ursachen des 30jahr. Kriegs. 393
tersuchung kam, flüchtete und wurde Prediger in Hamburg.
Obgleich nun andersgesinnte Männer, wie der Landeshaupt-mann von Knesebeck, durch Schriften das Volk zu beruhigenbemüht waren, der Kurfürst auch durch ein Gespräch der Geist-lichen in Berlin die Einigkeit hcrzustcllcn suchte, so war dasdoch ohne Erfolg. Die lutherischen Geistlichen, welche sich inAnwesenheit des berühmten pfälzischen Theologen AbrahamScultctus als unvorbereitet zu disputiren weigerten, verspra-chen zwar friedfertig zu sein und sich des Schmähcns zu ent-halten, sie unterließen es aber dennoch nicht.
Auch die Stande nahmen sich dieser damals so wichtigenAngelegenheiten an. Schon kurz vor der öffentlichen Erklä-rung des Übertritts des Kurfürsten schrieben die Landstande, 8. Dec.veranlasst durch den Landeshauptmann, Bcrndt von Arnim, 1613an denselben und seine Gemahlin, welche auch spater luthe-risch blieb, und baten, er möge dem Hofprcdiger Fink Eiichaltthun und der Religion seines Vaters treu bleiben, wobei sie ihnan seine Reverse erinnerten. Der Kurfürst antwortete ihnenerst nach mehreren Monaten: sie hätten keine Macht ihm vor-23. Märzzuschreiben, was er glauben solle oder nicht, ermahnte sie 1614flcissig in der heiligen Schrift zu lesen und sich nicht an dasGeschrei erhitzter Priester zu kehren, wo sie denn von der re-fvrmirtcn Religion besser urtheilen lernen würden. Geradediejenigen, sagte er, lästerten aus Ehrgeiz mit anzüglichenNamen auf andere Kirchen, welche, wenn cs zum Tref-fen käme, eher papstisch würden. Jetzt sei der Friedeum so nöthiger, da der römische Antichrist mehr als je nachder wahren Christen Blut dürste. Ehrgeizige, aufgeblaseneGeistliche wollten eher Alles turbircn, che sie von ihrem An-sehn Etwas fallen liessen. Damit beruhigten sich die Land-stande nicht, der Kurfürst bedurfte ihrer wegen der jülichschcnAngelegenheiten sehr. Sie hatten ihm bereits deshalb zwei-1609hundert und sunfzigtauscnd Gulden, dann die Städte die Stel-1610tung von zweitausend Mann zu Fuß bewilligt, der Adel sichzur Leistung der Ritterdienste bereit erklärt und der Kurfürsttausend Reiter geworben, deren Sold damals sehr hoch war,indem ein Oberst monatlich tausend Gulden, jeder Reiter 5Lhaler erhielt.