Nächste Ursachen dcS oOjahr. Kriegs. 889
lichcr Cercmonien wird vom Volke überall übel empfunden,und keine Veränderung diesem wahrhaft nützlich, wenn sienicht aus ihm selbst und seinem gegen die frühere Zeit ver-änderten inner» Bedürfnisse hervvrgcht. Ausserdem mochtenauch gemäßigte Lutheraner fürchten, cs würde nun Gewaltund List angewcndet werden, um der Religion des FürstenAnhänger zu verschaffen, die Lutheraner aber zu unterdrücken.Sic hatten in ihrer Nähe leider nur zu viele Beweise vvn derUnduldsamkeit der reformirt gewordenen Fürsten von Anhaltgegen ihre lutherisch gebliebenen Unterthanen gcsehn. Hierzukamen die Besorgnisse wohldcnkcndcr Staatsmänner, indemdie Katholiken, ja die Lutheraner selbst den Rcfvrmirten dieThcilnahme an dem Neligivnsfrieden streitig machten; jeden-falls aber trennte diese Ncligionsvcrändcrung den Fürsten vvnseinen Unterthanen und versetzte das Land in Unruhe zu einerZeit, welche gerade das innigste Anschliessen beider an ein-ander recht nothwcndig machte, während man einem Religions-kriege zwischen Protestanten und Katholiken entgcgensah. Manchelutherische Geistliche wollten ihr Ansehn am Hofe nicht ein-büßen und die gehassten Calvinistcn nicht an ihre Stelle tre-ten lassen. Fanatiker und Heuchler bedurften gar keiner Gründe,um sich zu widersetzcn.
Die leidenschaftliche Heftigkeit der lutherischen Geistlichen,an deren Spitze der Dvmpropst Gedicke und der Archidiakonusder Pcterskirchc, Willich, standen, überstieg alle Grenzen desAnstandes, woran man freilich leider bereits gewöhnt war.Die Calvinistcn wurden auf den Kanzeln mit den gemeinstenSchimpfnamen belegt, von denen sich der eines Sacramcnti-rers noch bis jetzt mit völligem Vergessen der Bedeutung des-selben im Munde des Pöbels erhalten hat; ferner, einzelneStellen ihrer Schriften aus dem Zusammenhänge hcrausgc-rifscn, auf die ungesittetste Art bestritten und verdreht; vieleLehren ihnen fälschlich angcdichtct, aus anderen, besonders derLehre von der Gnadcnwahl, irrige und gehässige Folgerungengezogen und dadurch klar bewiesen, daß sic die Heiligkeit undAllmacht Gottes leugneten, daß ihr Gott dem Teufel ähnli-cher sei als dem wahren Gotte (der Lutheraner), daß der Gott-loseste, wenn er auserwählt sei, doch selig werden müsse, daß