386 Buch lll. Drittes Hauptstück.
geben und an den Ort gehn, wo dergleichen Gezänk geduldetwürde.
Aller vielfältigen Vorkehrungen ohngeachtet fand beson-ders der Rcformirten Lehre vom Abendmahle bei den höherenStänden nach und nach mehr Eingang und es traten immermehr Fürsten zu ihrem Glaubensbekenntnisse über, endlich auchin unseren Landern der Bruder des Kurfürsten, der HerzogGeorg Friedrich von Jägcrndorf (1603) und der MarkgrafErnst, Statthalter in Jülich (1610), in Schlesien die HerzogeJohann Christian von Brieg (1611) und dessen Bruder GeorgRudolf von Liegnitz (1614). Es hatte nun schon der Kur-fürst Joachim Friedrich kurz vor seinem Tode in der Dom-kirche zu Berlin mehrerlei Gebräuche, welche aus den Zeitendes Papstthums hcrstammten, abgefchafft und auch zugegeben,daß sein Enkel, der nachhcrige Kurfürst Georg Wilhelm (1605)sich mit der Tochter des rcformirten Kurfürsten Friedrichs IV.von der Pfalz verlobte; allein dieses bewies nur, daß er keinso strenger Lutheraner war als sein Vater, nicht aber, wie manspäter behauptete, daß er sich zum rcformirten Glaubensbe-kenntnisse geneigt hätte. Hatte er doch seinen Sohn, denKurfürsten Johann Sigismund, durch den bis zum Fanatis-mus eifrig lutherischen Hofprcdigcr, den Dompropst SimonGcdickc, erziehn lassen. Es kann wohl sein, daß der KurfürstJohann Sigismund die Calvinistcn durch eigene Erfahrunganders kennen lernte, als sie ihm von Gedicke geschildert wor-den waren, daß ferner der Umgang mit den rcformirten Für-sten von Anhalt und Hessen ihn mit deren Glauben befreun-dete; Gott kennt die Herzen und die Fürsten sind nur ihm,ihren Unterthancn aber eben so wenig Rechenschaft über ihrenGlauben schuldig, als diese ihnen, sofern dadurch nicht beste-hende Rechte beeinträchtigt werden. Das war nun eben sotraurig, daß man beiderseits den Glauben mit schriftlichen undeidlichen Reversen fesseln wollte, durch deren Bruch also ge-wissermaßen allerdings eine Art von Rechtsverletzung ent-stand '). Man hatte im Brandcnburgischen an dem Beispiele
I) Auszug aus den Annalen eines Geistlichen u. s. w. in (König)Schilderung Berlins I. S. 323. Der meint, bei solcher Reformationhätte billig die ganze Kirche, das ist die 3 Stande (also die Bauern nicht)