348 Buch III. Zweites Hauptstück.
Kurl V. ausgesprochene Ncichsacht stillschweigend aufgeho-ben hatte. Desto mehr trübten innere Streitigkeiten die Ruhedes Landes. Die Rcgimentsräthe gingen mit dem Herzogestreng, ja hart um. Den jungen Herzog, der früher ziemlicheFähigkeiten gezeigt hatte, erbitterte das ausserordentlich gegensie, denn er galt ausserlich als Fürst, wahrend ihn die Räthedurch Drohungen, ja wohl durch körperliche Mißhandlungenzu Allem zwangen was sie wollten, wenn er auch den ent-schiedensten Widerwillen dagegen zeigte. Ein Argwohn, manwolle ihn vergiften, bemächtigte sich seiner ganz. Es hattesich ihm das Unglück der letzten Lebensjahre seines Vatersund die üble Begegnung, welcher dieser ausgesetzt gewesenwar, tief eingeprägt, und weinend rief er wohl: sie (dieRäthe) haben meinen Herrn Vater betrübt und geplagt bisin die Grube, also thun sie mir auch. Gott strafe sie bisins dritte und vierte Glied! Unzweckmäßige Behandlung derArzte und hauptsächlich der Einfluß eifernder Theologen, vor-züglich des heftigen und ihm sehr widrigen Heshusius, mögenden Verstand des Fürsten vollends geschwächt haben, sodaßer ganz abhängig wurde, was vielleicht den Wünschen man-ches Machthabers nicht entgegen war. Schon ehe man denarmen Fürsten mit der Prinzessin Marie Eleonore von Klevevermählte, gab er einzelne Zeichen von auffallendem Eigen-sinn, der zuweilen an Geistesverwirrung zu grenzen schien.Als seine Braut mit ihrem Vater zur Vollziehung der Ver-mählung angekommen war, zeigte sich bei dem Herzoge nochhäufiger Unzufriedenheit, die bis zur Wuth gesteigert wurdedurch das unverantwortliche Benehmen der Räthe, die denFürsten wie einen Knaben behandelten. Als er an dem zurHochzeit bestimmten Tage sich weigerte die Vermählungs-ceremonie zu vollziehn, sagte ein Herr von Wambach zu ihm:Wollen Ew. Gnaden nicht folgen, so wird man nicht sagenGnädiger Herr! sondern Du Lecker, und über den Lisch ge-zogen und ein Guts abgcstrichen (tüchtig durchgeprügclt)').Die Hochzeit wurde zwar vollzogen, doch der Zustand des
1) Lucas Davids Tagebuch der GcmüthskrankheitAlbrccht Fried-richs in Fabers preußischem Archive. Bd. II. S. 125.