Vom Religionskrieg bis zum ZOjähr. Krieg. 331
auch Moritz schlau genug gewesen die Sicherheit des Kaisersauf jede Weise zu vermehren. Um so mehr war dieser über-rascht, als er die Manifeste erhielt, welche der Kurfürst und derMarkgraf Albrecht erlassen hatten und worin sie behaupteten, dieWaffen ergriffen zu haben für einen allgemeinen Frieden undVergleichung in der Religion, für die Befreiung des Reichsvon unrechtmäßiger Gewalt und Herrschaft, die sich der Kai-ser angemaßt habe. Die tridentiner Kirchenversammlung löstesich auf, der König von Frankreich bemächtigte sich der dreiBisthümer Metz, Toul und Verdun als Rächer der deutschenFreiheit und Schützer des deutschen Reichs.
In dieser großen Verlegenheit des Kaisers vermitteltedessen Bruder Ferdinand Unterhandlungen mit Moritz, unddieser, der nun seine Zwecke erreicht hatte, auch wohl einsah,daß ihm die Beschaffenheit seiner Macht nicht gestatte derdes Kaisers für die Dauer Widerstand zu leisten, pflückte so-gleich die nächsten Früchte von dem Baume, dem er sichdurch unerwarteten Überfall genähert hatte und dessen alterHüter zu schnell entflohen war, und wartete nicht aus seineVerbündeten, welche ebenso nur für sich zu sorgen bedachtwaren. Er schloß mit dem Könige Ferdinand und dem Kai-Augustser den Frieden zu Passau, welcher seinem Schwiegervater dieFreiheit, ihm die Ehre eines Retters der Protestanten undSicherheit für die Behauptung der so unehrlich errungenensächsischen Kurwürde erwarb, ausserdem die eigentlich streitigenReligionsangelegenheiten ihrem Ende nicht näher brachte, son-dern nur, wie bisher schon oft geschehen, bis zur Entschei-dung einer zu haltenden Kirchenversammlung aussetzte. Wich-tig war indessen, daß König Ferdinand und dessen SohnMaximilian den augsburgischen Confessionsverwandten Ver-sicherungen für die Fortdauer des Friedens gaben, auch wennkeine Beilegung der Neligionsstreitigkeiten statthaben würde.Hierdurch wurden also die Protestanten jedenfalls für die Zu-kunft sichergestellt vor einem ähnlichen Zwange, wie ihnKarl V. anzuwenden eben im Begriffe gewesen war, und dieStaatsverhältnisse des Reichs genauer von den kirchlichengeschieden.
Noch mehr als dem Könige von Frankreich war dem