314 Buch III. Zweites Hauptstück.
leidenschaftlicher und unbesonnener Eiferer gegen Luther unddessen Anhänger, ergoß sich über dieselben auch in öffentlichenSchriften in den gemeinsten Schmähungen, was diese ihm,wo möglich noch starker, erwicderten, sodaß beide Theile ein-ander in den pöbelhaftesten Ausdrücken überbotcn. Was sollteman sagen, wenn die Fürsten einander in ihren wechselseitigerlassenen Schriften gottlose, vermaledeite, verfluchte Ehrcn-schandcr, verruchte, verstockte, abtrünnige Kirchenräubcr nann-ten, einander nicht nur moralische, sondern auch körperliche Ge-brechen vorwarfen, und Luther in der vollsten Derbheit, diesich denken lasst, den Herzog von Braunschwcig als einenHannswurst arger mitnahm, als man jetzt an öffentlichenOrten von den niedrigsten Volksclasscn hört, was freilich derReligionseifer und der Bildungszustand der damaligen Zeit inetwas entschuldigt, aber auch diesen eben hinlänglich bezeichnet.Die schmalkaldener Bundesgenossen wurden ausserdem be-sonders durch aufgefangene Briefe des Herzogs von Braun-schweig gereizt, aus denen sie sahen, daß die Katholiken starkeAnschläge gegen sie machten. Da nun der Herzog Heinrichdie zum schmalkaldener Bunde gehörigen Städte Goslar undVraunschweig bedrängte, so sagten ihm der Kurfürst von Sach-sen und der Landgraf von Hessen ab, bemächtigten sich sci-1542 nes Landes und führten hier die Reformation überall ein.
Der Versuch des Herzogs sein Land wieder zu erobern cn-1544 dcte mit seiner völligen Niederlage und Gefangenschaft. Sollteder Kaiser das ruhig mit anschn?
Je kräftiger sich hier die Protestanten zeigten, um somehr schwächten sie sich durch ihre Uneinigkeit und boten sodem Kaiser selbst die Hand zum Siege über sie. Der Kur-fürst Johann Friedrich von Sachsen gcricth mit seinem Vet-ter Moritz beinahe in Krieg über die Stadt Wurzen. Mo-ritz, Herr eines fast eben so bedeutenden Theils der sächsischenLander als der Kurfürst, war ein eben so schlauer als ehrgei-ziger und eigennütziger Herr. Er suchte die Gunst des Kai-sers, trennte sich vom schmalkaldener Bunde und stand demKönige Ferdinand gegen die Türken bei. Kurfürst Joachimführte den Oberbefehl des christlichen Heers gegen die Os-manen (1542), doch ohne Erfolg; er trat niemals zum pro-