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Buch III. Erstes Hauptstück.
unverständlichen Gebete hcrsagt und andächtig die Brust schlagt.Fürsten und Ritter legen das für Mein und Dein, für Herr-schaft und Knechtschaft blutig gefärbte Schwcrdt kaum ausder Hand, Fehden, glänzende Turniere und Jagd sind ihrGeschäft, ihr Gespräch nur von schonen Frauen, Rossen undHunden, selten mehr. Der gewerbfleissi'ge Bürger arbeitet undrechnet und genicsst, was ihm seine Thätigkeit erwarb, erhofft bald ruhig zu leben, denn der ewige Reichs-Landfriedesoll auch ihn vor Fehden und Beraubung schützen; der Bauer,der arme Mann, segnet den Schutz, den er wohl hin undwieder beim Fürsten findet gegen die Gcwaltthaten der Her-ren des Adels.
Wie schnell ist Alles anders geworden! Bischöfe legenihre Herrschaft nieder und dienen prunklos dem ewigen Gottwie ihre Geistlichen; Mönche und Nonnen verlassen ihre Klö-ster, treten als Gatten und nützliche Bürger in das Lebenund übernehmen dessen Mühen und Sorgen. Der Kirchenglänzender Schmuck, die unzähligen Altäre, Bilder und Reli-quien der Heiligen verschwinden und die Gemeinde hört er-bauet den in verständlicher Sprache zu ihr redenden Geist-lichen. Fürsten und Ritter, Bürger und Bauern greifen nachden reichen Gütern der Klöster; Vieles wird verschwendet,Vieles für Schulen und Kirchen bestimmt. Man hört nunin Schlössern, Burgen und Städten von Gelehrten und Un-gelehrten nur sprechen und streiten über Religion, Genug-thuung, Rechtfertigung, gute Werke, Sacramente, Cercmonien,über alten und neuen Glauben, und nur zu oft noch fährt dieHand mit gewohntem Griff zum Schwcrdte. Der Bürgerfolgt der neugewonnenen Einsicht und Überzeugung, der Bauerdem neuen Glauben, der ihm doch eine Freiheit lässt odergestattet, und hofft auf die andere. Es ist Alles wie von ei-nem gewaltigen Zauber berührt, Alles in Streit und Bewe-gung um Dinge, welche wir wissen und nicht wissen können,welche wir glauben oder nicht glauben sollen. Es ist leben-dig an den Hellen Tag getreten, was lange im verborgenenDunkel schlummerte. Der menschliche Geist will sich frei ma-chen von den alten, vom Roste fast durchfressenen Fesseln; ei-nem Riesen gleich hat er mehr als einmal klirrend die Ketten