Entscheidung vermochten sie nicht zu geben. Vergeblich botder Papst auch dem Könige Kasimir von Polen die böhmischeKrone an. Nur auf Mathias stand noch seine Hoffnung.Als dieser mit den Waffen wenig gegen Georg vermochte,hinterging er ihn, bemächtigte sich durch doppelten Treubruchgegen seinen Schwiegervater Mährens und Schlesiens, ließ sich3. Mai zum Könige von Böhmen ausrufen und kam nach Breslau,1469 ihm die Schlesier huldigten. In dieser großen Verlegen-heit gewann König Georg den König Kasimir von Polen, in-dem er dessen Sohne, Wladislaus, die Nachfolge in Böhmenzusichern ließ; den Papst beschwichtigte er durch den Vorschlagzum Kriege gegen die Türken und würde sich endlich trotzaller geistlichen und weltlichen Ränke behauptet haben, wäreMärz cr nicht zu früh gestorben. Georg wurde ein bcdaucrnswerthes1471 Opfer der Religionsspaltungen seiner Zeit, der Treulosigkeitseines Schwiegersohns, der Herrschsucht der Päpste und dcSNeides der ihm benachbarten Fürsten; denn erwägt man dieausgezeichneten Eigenschaften und Tugenden dieses Mannesvor den meisten Fürsten seiner Zeit, so muß man zugestehn,daß er den Thron vor Andern und jedenfalls ein besseresSchicksal verdiente als ihn traf.
17. Mai Nun wählten die Böhmen den Wladislaus, den sunfzehn-1471jährigen Sohn des Königs Kasimir von Polen, zum Könige.Der Papst verwarf ihn und bestätigte den König Mathiasvon Ungarn. So war Krieg zwischen diesem und Polen, dasich Kasimir seines Sohnes annahm. Schlesien hielt sich anMathias, und als die Fürsten und der Bischof wankten, gabder Eifer der Breslauer für den rechtgläubigen König vonUngarn den Ausschlag, ja sie erklärten, und wenn auch tausendPäpste cs anders beföhlen, so würden sie doch vom Mathiasnicht abtreten, und wirklich brachten sie diesem große Opfer,welche die reiche Stadt in Armuth stürzten. Schlesien wurdevon den Heeren beider Fürsten schrecklich verheert, vorzüglich1474 die Gegend um Breslau. Mathias behauptete sich in Schle-sien, schloß einen Waffenstillstand mit Polen, hielt einen Für-stentag in Breslau und richtete einen Landfrieden ein mit stren-gen Strafdrohungen gegen Jeden, der die öffentliche Ruhedurch Fehde, Brennen und Rauben stören würde. Er setzte