222 Buch II. Neuntes Hauptstück.
zur Annahme des Kreuzes, nach dem Beispiele früherer Zeiten,1453 aufzurcgcn. Er zog deshalb, unterstützt und hochgeehrt vomKurfürsten Friedrich H. von Brandenburg, durch die Markenund Polen und kam mehrmals auch nach Breslau. Hier,wie überall wohin er kam, wurde er mit aller nur erdenkba-ren Ehrerbietung und Feierlichkeit empfangen. Geistlichkeitund Volk, Alte und Zunge, Männer und Frauen und Kin-der zogen ihm mit Frohlocken entgegen. Viele Tausende eil-ten aus der Nachbarschaft herbei, ihn zu hören, und ließensich durch die übelste Witterung davon nicht abhaltcn. Erpredigte lateinisch, was einer seiner Ordensbrüder als Dol-metscher in die Volkssprache übersetzte. Sein Ansehn war sogroß, daß ihn das Volk hier in der schneidendsten Kälte oftdrei Stunden und langer geduldig anhörte, ohne ein Wortvon dem zu verstehn, was er sagte, und sogleich haufen-weise wcgging, wenn der Dolmetscher die Predigt in derMuttersprache wiederholte. Die Breslauer erbaueten seinet-wegen, obgleich sie bereits viele Kirchen hatten, die zu St.Bernhardin.
Es war gewiß nicht das kleinste Wunder von den vie-len, welche er verrichtet haben soll, daß auf sein Verlangen inBreslau alle Karten, Spielbretter, Würfel, Schmuck, falscheHaare der Frauenzimmer und anderer Tand auf einen Haufengebracht und öffentlich verbrannt wurden, daß er große Andachtim Volk erweckte und Hoffahrt und Unziemlichkeit abkamen.Die religiöse Aufregung zeigte zuerst ihre Wirkung gegen dieJuden. Wie gewöhnlich, wurde diesen Misbrauch mit gewei-heten Hostien vorgeworfen. Die heftigsten Martern erzwan-gen das Gcstandniß der Schuld. Auf königlichen Befehlmussten alle Judcnkinder, die alter als sieben Jahre waren,getauft und als Christen erzogen, ein und vierzig Juden ver-brannt und die übrigen Landes verwiesen werden. Kein Judesollte in Ewigkeit wieder in Breslau wohnen; ihr Vermögenzog der König ein.
Weit einflußreicher wurde diese religiöse Aufregung derBreslauer gegen die Hussitcn, vorzüglich als Capistran, einembegeisterten Seher gleich, die Stadt warnte vor einem böh-mischen Hauptmann, Bischöfe und Könige, die da kommen