Druckschrift 
1 (1830) Vom Jahre 1191 bis 1640
Entstehung
Seite
198
Einzelbild herunterladen
 

198

Luch II. Achtes Hauptstück.

ihm die Stadt Fehde an. Der gcwaltthatige Komthur vonDanzig, des Hochmeisters Bruder, lockte hinterlistig den Bür-germeister Lctzkau und zwei andere Mitglieder des Raths, welche

1411 muthig für die Freiheiten der Stadt waren, in die Burg, ließsie Meuchelmorden und die Leichen vor das Thor werfen. Dieserbitterte höchlich und rächte sich sogleich in fortdauernder Wei-gerung der Stadt neue Auflagen zu bezahlen. Der Hoch-meister that ihnen weh wo er konnte und erließ allen denen,welche sich in der zerstörten Stadt Marienburg anbauen woll-ten, ein Drittheil ihrer Schulden, an welchen Danzig großenAntheil hatte.

Der Adel, vorzüglich die Eidechscn-Gesellschast, verschworsich mit mehreren Ordensrittern gegen das Leben des Hoch-meisters. An der Spitze stand der Komthur von Reden, Georgvon Wirsberg. Mit viertausend Söldnern sollte die Marien-burg überfallen, der Meister ermordet und der Komthur zumHochmeister erwählt werden. Der Anschlag wurde entdeckt,und Tod und Gefangenschaft der Berschwornen büßte ihr Ver-brechen *). Damit war aber weder das Land beruhigt, nochdie Spaltung im Orden selbst gehoben. Ein Ende des Druckswar bei der immer drohenden Kriegs-Gefahr kaum abzusehn,und schon sollte die Neumark an Polen verpfändet werden,als der Meister Alles zusammcnraffte, aus den Kirchen nahm,was noch übrig war, und die Schuld abtrug. Nun drohete

1412 Krieg mit dem Großherzoge von Litthauen. Polen rüstete. DerMeister ließ seine Söldner in Masovicn einfallen. Er begriffjetzt wohl, was dem Lande nöthig sei, und nahnl endlich, durchNvth gezwungen, da er sich nichr auf den Orden stützen konnte,Einige vom Land-Adel und den Städten in seinen Rath, umdadurch diese beiden mächtigen Stände zu beschwichtigen. Dasverdroß den Orden. Der Meister konnte wohl kräftig durch-greifcn und strafen, aber nicht versöhnen, die Gemüther ge-winnen, vereinigen und erheben zum allgemeinen Besten.Seine Eigenmächtigkeiten erbitterten die Gcbietigcr, derenRath er weniger brauchte als den seiner Verwandten; dazukam Eifersucht und Parteiung im Orden zwischen den obcr-

t) Voigt Geschichte der Eidechsen-Gesellschaft.