Brandenburg unter Kurfürst Friedrich I. 175
gesagten Feind alles Aberglaubens, der damals nur zu häufigvon der Geistlichkeit benutzt wurde, um von der Einfalt desgemeinen Volks wie aller übrigen Stande Vorthcile zu zichn.
Es zeigte sich dieses bei einer Veranlassung, welche auf den, Zustand der Aufklärung dieser Zeit, wie der Mark Branden-burg besonders, ein grelles Licht wirst.
Zn den unruhigen Zeiten, bald nach dem Tode Karls IV.,hatte ein damals berüchtigter Fchder, Heinrich von Bülow, 138l>ausser zehn anderen Dörfern auch das Dorf Wilsnak in derPricgnitz mit der Kirche völlig verbrannt. In dieser warenmehrere Gegenstände auf dem Mare und auch eine Büchse,welche drei bereits gcwcihetc Hostien enthielt, unversehrt ge-blieben, allein die drei Hostien waren an einer Stelle, die ei-nen rothen Fleck zeigte, an einander geklebt. Der Priesterdes Orts gab den rothen Fleck für düs von den Hostien aus-geschwitzte Blut und für ein Wunder aus, welches wiederWunder bewirkte. Dies machte ungemeines Aufsehn. Schonim folgenden Jahre crthcilten die Bischöfe von Magdeburg,Brandenburg, Havelberg und Lelms, bald darauf Papst Ur-ban VI. den Pilgern zum heiligen Blute nach Wilsnak reich-lichen Ablaß. Tausende strömten nicht nur aus Deutschland,sondern auch aus den benachbarten Ländern, aus Ungarn undPolen herbei, ja Könige schickten Gesandte dahin. Niemanderschien ohne Geschenke; eine herrliche Kirche wurde erbauet,der Ort wohlhabend und erhielt Stadtrecht. Aufmerksam ge-macht durch den ausgebreitctcn Ruf des Wundcrbluts, schickteder Erzbischof Zbinko von Prag d-n Johann Huß zur Un-tersuchung der vielen angeblichen Wunder nach Wilsnak.Dieser bewies auf das klarste die schändliche Betrügerei derGeistlichen, welche das gemeine, dumme Volk mißbrauchten,daß die angeblichen Wunder durchaus ungegründet, daß dieBlinden und Lahmen, die er untersucht, nicht geheilt wären.
Bald nachher regte sich in Magdeburg die Eifersucht, weil 1412über die Wallfahrten nach WilSnak die nach Magdeburgzum Grabe des heiligen Norbert vernachlässigt wurden, undeine Synode beschuldigte den Bischof Otto von Havelberg,zu dessen Sprengel Wilsnak gehörte, geradezu, man gebevor, Todte wären auscrstanden, und erdichte mehr Wun-