Goldene Zeit des deutschen Ordens. 133
thmns nach Preussen verlegt hatte. Jetzt erst wurde die Ma-ricnburg, im Herzen der Ordenshcrrschaft, Mittelpunkt dergesammtcn Ordcnsregieruug. Der Hochmeister mit seinemHofstaate, die obersten Gebictigcr des Ordens, fünfzig bissicbcnzig Ritter, deren Convent hier war, die großen Ordens-capitel, welche hier gehalten wurden, die Gesandten vielereuropäischen Fürsten und Fremde aus allen Gegenden, welchehier zusammcnkamcn, belebten die herrliche Burg. Der Ein-fluß der Bildung und Kenntnisse verbreitete sich durch denOrden über das Land. Für dieses musste es wohlthätig wir-ken, daß der Hochmeister anwesend war und die Verwaltungnun unmittelbar selbst besorgte mit den Großgcbictigcrn, demGroßkomthur als Stellvertreter des Meisters, dem Marschallcals Heerführer, dem Obersten Spittler als Aufseher über dieSpitaler, dem Obersten Trapirer als Obcraufscher über Al-les was zur Kleidung und Kricgsrüstung des Ordens ge-hörte, und dem Obersten Tresler oder Schatzmeister. Beson-ders wichtig war, daß, durch allerdings harte Verfügungen, diePreussen zur Annahme deutscher Sprache und Bildung ge-zwungen wurden, die jetzt erst eigentlich ansingen im Volketiefere Wurzel zu schlagen, dann die Oberhand zu gewinnen,obgleich noch im Anfänge des sechszehnten Jahrhunderts inder prcussi'schcn Sprache gepredigt und gelehrt wurde.
So viele Verdienste sich aber auch einer oder der an-dere der Meister erwarb, alle überstrahlt Winrich von Knip-rode. Mit dem Könige Kasimir von Polen war der Friedehcrgestcllt und damit Pomercllcn sicher erworben worden. 1343Esthland hatte der Orden vom Könige Waldemar von Dä-nemark gekauft und für den Bestand seiner Herrschaft Nichts 1347mehr zu fürchten, als mit Winrichs Wahl die goldene 1351Zeit des Ordens, wie man sie später nicht mit Unrechtnannte, begann. Wiele treffliche Ritter zierten den Orden,die Städte blüheten auf durch das Gedeihen des Handelsund der Gewerbe, der Landbau kam in Aufnahme, und in re-gem Flcisse und jugendlicher Lhätigkcit entfalteten die Or-densländer ihre große innere Kraft. Konnte doch ein einzi-ger Sturmwind im Hafen von Danzig sechzig Kauffarthci-1351schiffe vernichten, und die Pest hier in einem Jahre dreizehn-1352