Übersicht der inneren Verhältnisse. 87
den unmittelbar unter der Gerichtsbarkeit des Herzogs undwurden durchweg mit den Christen auf gleiche Weise behan-delt und geschützt. Schrie ein Jude in seiner Bedrängniß umHülfe und die christlichen Nachbarn halfen ihm nicht, so wur-den sie, jeder mit dreissig Mark, aber falsche Verleumdungengegen Juden wegen Christenmords mit derselben Strafe be-legt, welche der Jude hatte leiden müssen, wäre die Angabewahr gewesen '). Weniger gelang es ihnen sich in Pom-mern festzusetzen, und es wechselte ihr Schicksal sehr nach derWillkühr derer, denen sie unterworfen waren.
Wenn wir uns nun zur Kirche wenden und deren Ein-fluß auf unsere Lander betrachten, so müssen wir zum ge-nauem Verständnisse dieser Verhältnisse einen Blick aus dieso hochgesticgene Macht des Papstthums werfen.
Wer die unendliche Verwirrung des weltlichen Treibensim Mittelalter betrachtet, wie besonders in Deutschland nachund nach die alten früher heiligen Bande des innigen Zu-sammenhangs der Dienstmannschaft und Vasallenschaft zumHerrn immcrmehr gelöst wurden, rohe Gewalt, das Schwerdtin der eisernen Faust nur zu herrschen begierig, die Länder mit.Brand, Mord und Verheerung erfüllte und hart auf der schutz-und wehrlosen Menge lastete, dem treten vornehmlich zweiEinrichtungen entgegen, welche schützend und helfend sich er-hoben und die neueren Zustände begründeten, die Städte unddie kirchliche Gewalt. Was jene für die Erhaltung und Ent-wickelung gemeinsamer und vernünftiger Freiheit waren, ha-ben wir bereits gesehn; das Papstthum hat auf Fürsten undVölker ähnlich gewirkt. Die Städte hätten schwerlich werdenkönnen was sie geworden sind, ohne die Entstehung derkirchlichen Macht.
Die großen Päpste von Gregor VII. bis Jnnocenz IN.gewannen die Herrschaft über die Gemüthcr der Menschen,weil sie vor allen Dingen klar wussten, was sie bezweckten,mit unerschütterlicher Standhaftigkeit ihr Ziel verfolgten unddieses sich auf eine sittliche Idee gründete, der gedrückten
t) Urkunde vom Jahre 1299 Ul Soiiimersborg scissn. rer. 8i1es.'i'. ii r. x. loZ.