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Buch 1. Sechstes Hauptsiück.
schaaren gegen Samland. An der Spitze von sechzigtausendKriegern unterjochte König Ottokar von Böhmen die Sam-1255 landcr, zerstörte ihre heidnischen Hciligthümcr und bezeichnteden Ort, auf welchem sich erst nur die Burg, dann die StadtKönigsberg erhob. Jetzt wurde ein viertes preussisches Bis-thum für Samland gestiftet, allein noch viele Jahre dauertecs, ehe sich besonders die tapfcrn Samlandcr gewöhnen konn-ten an die strenge Herrschaft der Fremden. Ihre mehrmali-gen Empörungen rissen die benachbarten Landschaften mit sichfort, zugleich bedrohten die Tataren, welche Litthaucn vcr-^ , hccrtcn, eine Zeit lang die Eroberungen des Ordens. Neue
Krcuzhecre zogen wiederholt nach Preusscn, viele und blutigeSchlachten wurden geschlagen, mehr als einmal war der Or-den am Rande des Abgrunds und focht für sein Bestehn,bis er endlich durch Ausdauer, Waffenübung und kriegerischeÜberlegenheit jeder Art ganz Preusscn nach fast fünfzig Jah-1283 rcn im Kampfe völlig unterwarf und seitdem behauptete,durch kluge Einrichtungen den Preusscn ihr Dasein wenigstenserträglich machte und zugleich seine Herrschaft auf längereZeit sicherte.
Was aber machte es denn nun einer Gesellschaft vonRittern möglich, solche Kampfe zu unternehmen und glücklichmit der Eroberung so großer Landerstriche zu beendigen, daßjetzt! manches Königreich sehr klein dagegen erscheint? Es war,wie überall wo Ausserordentliches geschieht, der in den Men-schen und hier in der Vereinigung Vieler wohnende, nach Ei-nem Ziele strebende Geist, der in-seinen Anstrengungen gegenein Volk triumphirte, welches doch schon im Innern, wiemanche Spuren zeigen, zerfallen war; denn hatten diePrcus-sen vereinigt gegen die Ritter gestanden, gemeinschaftlich fürdas alte Gesammtheiligthum ihrer Götter gefochten, der Or-den würde sie nicht besiegt haben. Es war allerdings einunserer Zeit fremder, doch dem Mittelalter mit seiner hohenPhantasie cigcnthümlicher Geist, welcher den jungen Edelmanndem Kreise seiner Familie und Heimath, ja, man möchte sa-gen, der Menschheit entriß, um mir Entsagung aller Freudenund Lust des Lebens die strengen Gelübde der Keuschheit, desGehorsams und der Armuth zu übernehmen. Wasser und