Hcrzogthümcr, Krakau, Groß-Polen, Masovicn und Schle-sien, welche zwar durch Abstammung ihrer Bewohner undselbst durch politische Verbindung als ein Staat angesehenwurden, deren Fürsten aber in fast ununterbrochenen Fehdenmit einander lebten. Die heiligsten Bande des Bluts, ja derMenschlichkeit waren hier gelöst, Verrath, Meineid, Meuchel-mord, List und Gewalt in der Hand der Herrschsucht färbendie Geschichte Polens in dieser Zeit mit den grässlichsten Tin-ten, und nur selten taucht aus der Nacht von Gräueln einbesserer Fürst wie ein freundliches Gestirn hervor und ver-dient daß sein Andenken erhalten werde, wie das Kasimirsdes Gerechten, des jüngsten der Söhne Boleslaus HI. Durchseine ausgezeichneten Eigenschaften und doch nur unter vielenKämpfen hatte er die Herrschaft über Krakau und Masovicn
1191 erhalten und das Reich endlich beruhigt. Dann brach er ver-
1192 einigt mit den Herzogen von Groß-Polen und Schlesien ge-gen Preussen auf, verheerte die Grenzen an der Ossa und er-zwang Tribut. Seine Sohne Lesko und Konrad behauptetensich durch die Treue ihrer Anhänger gegen ihren Oheim Mie-
1206 cislaus III. von Groß-Polen und theilten das Reich ihresVaters so, daß Lesko Krakau, Konrad Masovien erhielt.Während so vieler Unruhen hatten sich die polnischen, wahr-scheinlich aus dem alten pommerischen Fürstenstamme ent-sprossenen Statthalter Pommerns an der Weichsel, in Danzigund Stargard fast ganz unabhängig gemacht, das Christen-thum angenommen und verbreitet, Klöster, unter diesen daszu Oliva, gegründet, Johanniter-Ritter in das Land gerufen,und deutsche Kolonisten singen auch hier an, Dörfer zu bauenund Städte zu bevölkern.
Selbst im fernen Livland hatte das Christenthum bereitsWurzel geschlagen. Die gewaltsame Einführung desselbendurch die Schweden und Dänen hatte cs früher den Livcnausserordentlich verhasst gemacht. Mildere Versuche frommerMönche, die zu Bischöfen von Livland ernannt wurden, hattendaher nur geringen Erfolg. Papst Cölestin ließ deshalb dasKreuz predigen, eine Flotte fuhr von Lübeck ab, die Dünahinauf und verwüstete das Land, aber das Christenthum ver-
1198 schwand mit dem Abzüge des Kreuzheers. Erst der dritte