Einführung d. Ehristenthums bei d. Slaven. 17
Kreuzes, dem Einzigen was er gelernt hatte, ohne dessen Be-deutung zu begreifen. Die Macht der Begeisterung wirkteoft auf die Heiden mehr, als vielleicht Belehrung vermochthatte. Aber nun fvdcrte der christliche Priester den Zehntenaller Früchte des Feldes und aller Erzeugnisse der Heerden.
Die Priester der alten Götter standen wie die Jugcndcrinne-rungen mahnend da, und so warf der Slave den neuen Glau-ben ab, der ihm Nichts brachte und doch Biel kosten sollte. ^Jetzt erscheint der christliche Krieger das Schwerdt in der Handund fodert Annahme des Christenthums, den Zehnten für denPriester, den Tribut an den König und die Freiheit für sich.
Der Kampf beginnt: auf der einen Seite die angestammteFreiheit, die alten geliebten Götter, auf der andern Seite Knecht-schaft und Christenthum. Die überlegene Kriegsfertigkeit derDeutschen unter Heinrich I. und Otto dem Großen siegt nachblutiger Verheerung des Landes, die unterjochten Slaven müs-sen Christen werden, den Zehnten entrichten, Tribut zahlenund sich jede Erpressung und Gewaltthatigkeit der habsüchti-gen Krieger gefallen lassen. Wie aber konnte unter solchenUmstanden das Christenthum festwurzcln! und welch ein Chri-stenthum! Noch hundert Jahre später freuete sich der gutePriester Helmold, daß die Slaven ihre eines Verbrechens an-geklagten Landsleute nicht mehr zur Untersuchung vor ihrenRichter, sondern bereits zu den christlichen Priestern brachten,um durch das Gottesurtcl der Feuer- und Wasser-Probe dieWahrheit der Anklage zu ermitteln, was erst noch dreihundertJahre spater Kaiser Karl IV. in Böhmen abschaffte.
Der Stolz der habsüchtigen Sachsen, mit denen sich derSlave, als unehrlich, nie durch die Bande der Ehe zu einemVolke vereinigen konnte, erhielt die Trennung dauernd, nährteden Haß der Unterdrückten gegen ihre Zwingherren und dieSehnsucht nach den alten Göttern, mit denen zugleich die Frei-heit verschwunden war. Daher empörten sich bald die Obotri- 983tcn und Leutizen, warfen das Joch der Knechtschaft ab, zer-störten alle Kirchen, schlachteten die christlichen Priester auf denAltären der Götter und vernichteten jede Spur des Christen-thums für lange Zeit. Mit Feuer und Schwerdt wüthetennun länger als anderthalbhundert Jahre die heidnischen Sla-Stcnzcl Gcsch. d. Preussisch. Staats. I. 2