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Ich war kurz entschlossen, mich lieber durch die Weltzu betteln, als von seiner Hand zu sterben. Keinen Pfen-nig halt' ich in der Tasche; doch fiel mir ein, daß mireinst meine Mutter ein sorgsam verwahrtes Päckchen ge-zeigt und dabei mit Thränen gesagt hatte: Das ist deinErbtheil! — Dieses Eigenthum wollt' ich nicht verlieren.Ich wußte, daß mein Vater gewöhnlich gegen Abend ineinem Lehnstuhle schlief, und sehr fest schlief. Um dieseZeit ging ich nach dem Forsthause zurück, schlich durcheine Winterthur hinein, bemächtigte mich des Päckchens,und entkam damit glücklich. Aber meine Hoffnung, Gelddarin zu finden, schlug fehl. Es enthielt wcrthlose Kleinig-keiten, die mich gar nichts anzugehen schienen.
So war ich ein förmlicher Bettler. Ich ging von Dorfzu Dorf, von Stadt zu Stadt, fand viel mitleidige Men-schen, die mich beschenkten, doch vergebens sucht' ich einenHerrn, der mich zum Diener annchmen wollte. DieserJrrlaus führte mich nach fünf oder sechs Wochen vor dieMauern einer großen Stadt, wie ich noch keine gesehenhatte. Die Schildwachcn am Thorc schreckte» mich. Eswar mir bange, sie würden mir den Eingang verwehren.Ich hoffte, in der Abenddämmerung unbemerkt hinein zuschlüpfen, und dnrchstrich indessen einen nahen Lustwald.
Hier ging in einer einsamen Gegend ein alter, wohlgc-kleideter Mann mit einem Knaben meines Alters spazie-ren. Das lebhafte Kind gaukelte fröhlich vor ihm herum,und er lachte gutmüthig darüber. O, wie glücklich, dacht'ich, ist dieser Knabe gegen mich Armen! — Mit diesemGedanken folgt' ich ihnen. Sie kamen an einen breitenund tiefen Wassergraben, über welchen eine Fahrbrücke ge-schlagen war, doch auch ein schmaler Steg führte. DerKnabe flog auf letztem zu, und, gegen des Vater Abmah-
Lmigbcin'S sümmil. Schr. VIII. Bd. 21