zeigte ihn Madame Tarantel meiner Tochter als den Herrnvon Runenstein: denn sogar diese kluge Frau , die dochden Herrn Kammerjunkcr von Angesicht zu Angesicht ge-sehen hatte, ward durch die Aehnlichkcit der beiden Gestal-ten getäuscht. — Aber das ist mir ein Näthsel, wie Sie,Herr Glücksritter, es austellten, daß des Herrn von Ru-nenstein Bildniß Ihnen ähnlicher ward, als ihm selbst." —
„Das ging äußerst natürlich zu;" antwortete der Fremd-ling. „Es ist mein eigenes, schon vor einem halben Jahregemaltes Porträt, das mein Bedienter, für einen Malersich ausgebend, dem Herrn Kammerjunker in die Händespielte." —
„O Himmel!" rief Arbogast aus : „Und auch der dummeNotar attcstirte blind ins Zeug hinein! Wie ward dochalle meine Vorsicht zu Schanden!" —
„Nun hatt' ich gewonnen;" sprach der schlaue Gastweiter. „Ich erhielt nachher durch meinen gewöhnlichenKanal die erwünschte Nachricht, daß mein Bildniß alsächt hier anerkannt worden war und Beifall gefundenhatte; ich erfuhr Tag und Stunde, wenn der Herr Kam-merjunkcr zu seiner Braut reisen würde und meine Leiden-schaft spornte mich zu dem Versuche, ihm den Rang abzu-lauscn. Zu diesem Wagstück war ich an Leib und Seelegerüstet: denn ich konnte der mir von der Natur zugctheil-ten Maske mit schicklichen Reden leicht entsprechen, weil michmein Bedienter, durch Ausforschung seines alten Freundes,in der Familie Runenstein so einheimisch gemacht hatte, alswär ich in ihrem Schooßc geboren. — So trat ich kühnals Bräutigam i» dieses Haus, und erwarte nun von derLiebe mein Urthcil." —
„Das würde wahrscheinlich zu mild ausfallen;" sagteHerr von Ellerbach. „Wir verfahren gelind genug, wenn