Vierunddreißigstcs Kapitel.
Eine unerfreuliche Audienz und ein Scheltbrief, der vollendsdem Fasse den Boden aussiößt.
Des Oberhosmarschalls Zorn hatte nun Zeit genug zumVerkühlen gehabt: Ortltcb wagte sich also wieder ins Vor-zimmer Sr. Ercellenz, und ward, nach erfolgter Meldung,ins Audienzgemach geführt, wo ihn beim Anblick des So-pha's, auf welchem er einige Wochen zuvor so süß ge-schlummert hatte, ein Schauer befiel. Kerzcnstcif blieb erdteßmal an der Thüre stehen, und der Qberhvfmarschallkam so schnell, als war' ihm bange, der junge Phlegma-ticus mochte sonst wieder einschlafen.
Ortlieb verbeugte sich so tief, als er nun konnte. Eshalf ihm nichts ; der hohe Patron ließ sich dadurch nichtbestechen, ihn mit dem zugedachten Verweise zu verschonen.„Ich wunderte mich neulich, Sie hier schlafend zu finden;"begann er mit kalter Gelassenheit: „aber das Räthsel istgelöst: ich höre, Sie sind ein Lonvivsnt, der seinen Näch-ten ihr Recht entzieht, und sie zu Bacchanalen und Sere-naden verwendet. Eine so dissolute Lebensart ist mit denstrengen Sitten unsers Hofes unerträglich: bemühen Siesich also vor der Hand nicht weiter um Anstellung, dieunter solchen Umständen nicht Statt finden kann." —
Mit dem letzten Worte verschwand der sträfliche Hof-Lnnabein'S simuutl. Schr. vm. Bd. 19