»D 262
Er sah sich um. Dicht vor ihm stand ein junger Milch-bart und starrte ihn durch Brillengläser an. Ortlieb, ein-gedenk der väterlichen Warnung, zog sich mit großen Krebs-schritten zurück, schlüpfte in ein Haus, und warf die Thürhinter sich zu. Das Bübchen verfolgte ihn mit einer di-cken, knorrigen Keule, die einen Spazierstvck verstellen sollte.„Lassen Sie meinen Herrn ungehudclt!" zürnte Gebier,und stellte sich beherzt, so breit er war, vor die Thür. Eserhob sich ein Streit, der viel Zuhörer, besonders Barfü-ßer, versammelte. Ortliebs Verthcidiger sagte: der bei-ßige Spitz habe den Steinwurf verdient. Des SpitzesAnwald versetzte: er habe kein Beißen gesehen. „Das wäredes Henkers!" sprach Gebier. „Nicht gesehn? — So istIhr Brillcmnacher ein Spitzbube und hat Sie betrogen!"Es ward gelacht. Der junge Herr hielt ihm seine herku-lische Keule vor die Nase. „Hängen Sie Ihrem Hundeden Knüttel an!" rief Gebler und stieß den Fant zurück.Die Umstehenden jubelten und klatschten in die Hände.Da nun der Brillenträger sah, daß sein Gegner die Lacherauf seine Seite gebracht hatte, so zog er mit behendenSchritten ab, und ein unmäßiges Hohngeschrei der ver-sammelten Jugend folgte ihm nach.
„Ueber den dummen Jungen!" sagte Gebler zu einembejahrten ehrbaren Herrn, der mit heitern Gesichtszügenunter den Zuschauern stand.. „Ein solches Knäbchen miteiner Brille gemahnt mich an die jungen Lämmer, denenman Brillen aussctzt, um sie vom Saugen zu ent-wöhnen"." —
„Ein guter, passender Einfall!" rief der alte Herr mit
^ Ein Leder mit Stacheln, das man zu dem angeführte»Behuf jungen Lämmern auf die Nafe bindet, wird in derLandwirthschaft eine Brille genannt.