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4 (1847) Herbstrosen. Der Bräutigam ohne Braut : mit sechs Stahlstichen
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dämmerte ihnen nur in dunkler Ferne. Leopold von Gör-nitz (so hieß der Liebende) war vielleicht der ärmste Jun-ker im Lande, und es herrschte dort die leider! unsterblicheGewohnheit, bei Ertheilung der landesfürstlichen Acmtcrund Dienste die reichen Bewerber allen andern vorzu-ziehen. Durch Nepotismus waren zwar auch vortrefflicheStellen zu gewinnen; aber was half das dem armenLeopold? Er hatte keine mächtigen Verwandten. Diesewidrigen Umstände schlugen jedoch der Liebenden Muthnicht nieder. Ihre Herzen wuchsen immer fester in einander.

Indessen war auch Alwi'nas Vater gestorben, und einhalbes Jahr später ward sie Runensteins Braut. Sie er-bat sich von ihm, ihre Jugendfreundin, als Gehülfin imHauswesen, zu sich rufen zu dürfen. Arbogast bewilligtediesen Wunsch. Sic lud Christinen ein. Diese frohlockteim ersten Augenblicke über die nahe Vereinigung mit dergeliebten Schwcsterseele; doch in der nächsten Minute stießihr der Gedanke, daß sie sich durch Veränderung des Wohn-orts von Leopold entferne- ein Schwert in die Brust. DieMagnetnadel ihres Herzens zitterte zwischen Freundschaftund Liebe; aber die Tante, die ihrer Kostgängerin gernwieder entledigt sepn wollte, bestätigte dieses Schwankendurch die Entscheidung, daß die Einladung nach Runen-stein angenommen werden müsse.

So war der Liebenden Trennung unvermeidlich. Leo-pold wollte darüber verzweifeln und setzte sich mit Flammcn-wortcn dagegen. Christine stellte ihm vor, daß sie in einemHause, wo man anfange, die Ausübung der Gastfreund-schaft lästig zu finden, nicht länger bleiben könne. Dasbegriff der hochsinnige Jüngling, und ergab sich in dieunabänderliche Ncthwendigkeit. Doch in der einsamen Schei-destunde erwachten die Stürme seiner Leidenschaft mit neuer