Druckschrift 
4 (1847) Herbstrosen. Der Bräutigam ohne Braut : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
172
Einzelbild herunterladen
 

-o-D 172 Oo-

>,Da kommen wir viel zu früh;" sagte Alwins.DieAnction wird erst in acht Tagen gehalten, und wir brau-chen höchstens vier und,zwanzig Stunden zur Reife."

Leichtsinnige Frau!" fiel er fast verdrießlich ein.Weißtdu gewiß, daß wir in vier und zwanzig Stunden an Ortund Stelle gelangen? Können uns nicht Unfälle begegnen,die uns acht Tage lang unter Weges aufhalten? Ich är-gerte mich krank, wenn ich zu spät käme!"

Alwin« gab ihm wieder Recht. Es war ihr nicht un-lieb, daß die Meßfcrien so lange dauern sollten. Arbogastbat sie dringend, die Rciseanstalten in ihrem Geschäftskreisesofort zu beginnen. Er selbst hatte schon die Thür in derHand, um sich von der Festigkeit aller Bestandtheile desWagens zu überzeugen und die Hufeisen des Postzugcs zuuntersuchen. In diesem Momente erhob der StammhalterLudolph Wiprecht im Nebenzimmer ein heftiges Geschrei.Himmel!" rief der Vater:wir bauen hier Lustschlösser,und gedenken des Kleinen nicht! Was fangen wir währendder Reise mit ihm an?"

Die Mutter sagte: cs würde das Beste sepn, den Kna-ben unter der Obhut seiner Amme im Schlosse zurückzu-lassen.

Alwina! Alwin«!" sprach Arbogast, mit dem Fingerdrohend.Du nimmst doch alles zu sehr auf die leichteAchsel! Wie kann dir einfallen, unser einziges Kind einigeWochen lang den Händen einer unbesonnenen Person an-zuvertrauen ?"

Lieber Mann, versetzte Alwina,du thust mir und Chri-stinen zu viel! Ich kenne sie von Jugend an als ein gu-tes Mädchen."

Wer tadelt ihr Herz?" entgegn ete Arbogast.Aberunbesonnen ist sie in einem hohen Grade. Das beweiset