! Er befahl nun dem Zwerge, sich zu stiefeln, weil ernach Bärcnfels (wo Herr von Ellerbach, ein Vetter Ru-nensteins , residirte) als reitender Eilbote abgehen solle.Trill zog ein finstres Gesicht. Ein Zwangritt von fünf-zehn bis zwanzig Meilen machte ihm verdammt wenigVergnügen. Er hatte zu Pferde das Unglück, immer undüberall, wo sich auch sonst keine Spur eines Raubthierszeigte, von Wölfen angefallen zu werden, die er mit Hirsch-talg füttern mußte. Ueberdieß verwickelte ihn auf der Heer-straße sein Taschenformat oft in Händel. Die Foliantenblieben stehen und lachten ihn aus. Das verdroß ihn under schimpfte: denn kleine Töpfchen laufen leicht über. Jenefielen dann mit ihrer ganzen Schwere über ihn her under kam mit einem blauen Rücken nach Hause. Alle dieseUnbilden stellte er dem Herrn von Runenstein vor, umsich von der Reise loszumachen; allein es half nichts,er mußte seinen Kouriersornat anlegen, der in einer ro-then, mit Gold besetzten Rcitjacke, ungeheuer weiten Stie-feln, Handschuhen mit steifen Stülpen und einem Kaskettmit einem Federbusche bestand. Wer ihn so sah, konntesich unmöglich des Lachens entwchrcn; nur Herr von Ru-nenstein hielt in vollem Ernste dafür, daß sein Schnell-läufe! (eine altdeutsche Dolmetschung des Wortes Kou-rier) Anstands halber so gekleidet sepn müsse.
Unter der Zeit, als sich der Zwerg in seinem Kämmer-lein, murrend und fluchend, sattelfertig machte, umschlugsein Herr den nach Bärenfels bestimmten Brief mit einemDutzend Makulaturbogen, nähte ihn in Wachsleinwand,versiegelte das Packet nochmals und legte es säuberlich ineine große lederne, mit einem Schlosse versehene Tasche,wozu er seinem Vetter schon vor geraumer Zeit den Schlüs-sel zngeschickt hatte. Mit diesem Briefbehälter umgürtet
Langbein'S sämmtl. Schr, VIII, Bv. 11