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3 (1847) Die Kleinstädter und der Fremdling. Novellen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
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Norbert. Mein Himmel! wer wird einen Freund sospät besuchen!

Rossignol. Was nennst du denn spät? Abendsnach zehn Uhr fängt ein vernünftiger Weltmann erst rechtan zn leben. Aber ich besuche jetzt auch nicht eigentlichden Kastellan. Er räumt blos mir und einer kleinen Ge-sellschaft ein Gartcnzimmer ein und besorgt unfern Abcnd-schmaus. Willst du mit von der Partie sepn?

Norbert. Nein, ich danke. Für heute ist mivs zu spät.

Rossignol. Zu spät! zu spät! Immer das alte Lied!Du bist ja ein rechter versauerter Philister geworden! InParis lebt man nun einmal nicht anders. Ich befindemich auch unter diesen lustigen Nachtvögeln recht wohl.Und heute konnte ich vollends nicht früher soupircn. MeineGesellschaft hatte bis zehn Uhr Geschäfte.

Norbert. Vcrmuthlich Leute, die in wichtigen Aein-tern stehen?

Rossignol. Allerdings. Ihr Amt ist Vergnügen undFreude.

Norbert. In welcher Kanzlei arbeiten sie denn?

Rossignol. Seltsamer Mensch! Wenn ich von Ver-gnügen und Freude spreche, wie kannst du dabei anKanzleien denken? Da herrscht ja meistens nur Zank undStreit.

Norbert. So sind's vielleicht Kauflcute?

Rossignol. Hm! ja, wenn du willst. Sie ver-handeln und verkaufen ganz allerliebste Maaren; aber im-mer sehr geheim, bei fest verschlossenen Thüren.

Norbert. Aha! Also Schleichhändler? Je nun,wenn sic gute brauchbare Sachen haben, so könnte ichihnen wohl auch unter der Hand etwas abnehmen.