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3 (1847) Die Kleinstädter und der Fremdling. Novellen : mit sechs Stahlstichen
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den der Haarkräusler und ging ihr mit tiefen Verbeugun-gen entgegen. Der Kapitain war zwar ein Neuling ingroßen Städten, doch begriff er sogleich, daß er keinenHerzog vor sich hatte; Rosette hingegen, die jetzt erst denprächtig gekleideten Läufer sah, hielt ihn, durch BonifazenSabgebrochene Meldung vollends irre gemacht, getrost fürseinen Herrn und richtete ihre Komplimente darnach ein.Sie bat demüthig, er möchte geruhen, sich nicderznlaffcn,und fragte ihn in der Angst, ob er nicht die Gnade ha-ben wolle, ein Schnittchen Schinken oder Wurst und einGläschen Aquavit zu genießen; denn diese vom Landernitgebrachtcn Lebensmittel standen noch vom Frühstück herauf dem Tische.

Die Haarschmücker hielten sich die Puderquasten vor'sGesicht und lachten wie Kobolde dahinter; aber mit freund-lichem Ernst übergab Louis sobald er vor den dringen-den Höflichkeiten der Dame dazu kommen konnte seinenBrief und bat um Antwort. Der Kapitain erbrach dasherzogliche Schreiben. Seine neugierige Gemahlin zog esihm schnell aus der Hand, um zuerst den Inhalt zu wis-sen. Er entriß cs ihr wieder mit strafenden Blicken, lascs einige Mal sehr bedächtig durch, und schwitzte dann bei-nahe eine Stunde über zwei Zeilen Antwort, wobei erwenigstens ein halbes Dutzend Federn zerkaute.

Während dieser gewaltigen Kopfanstrcngung sah undhörte er nicht; der gewandte Louis hatte also die glück-lichste Muse, sich seines geheimen Auftrags bei der jungenDame zu entledigen. Ihr Gesicht überflog bei den erstenWorten eine glühende Nöthe, und es fehlte nicht viel, sowäre ihre Ueberraschung eben so laut, wie in der Oper,ausgebrochen. Der verschmitzte Bote drückte aber schnellden Zeigefinger auf seinen Mund, und winkte dabei mit