-»D 247
VI.
Des Teufels Küche.
Vor ungefähr sechzig oder siebzig Jahren saß Herr vonNorbert, ein französischer Landedelmann (der in seinerJugend bei der Armee bis zum Kapitän gedient hatte),in seinem weichgepolsterten Lehnstuhl und las veralteteZeitungen, als ihm ein Bote vom nächsten Postamte einenBrief ans Paris uberbrachte. Er war von der Hand sei-nes Anwaltes, der für ihn eine Gnadensache bei Hofe be-trieb und ihm jetzt in einem breiten, schwerfälligen Kanz-leistpl — denn vormals schrieben die französischen Ju-risten eben so barbarisch und kauderwälsch, wie noch heu-tiges Tages viele deutsche — den unmaßgeblichen undohnzielsetzlichen Rath gab: er möchte des fördersamstennach Paris kommen, um sich einigen hohen Häuptern per-sönlich zu empfehlen und dadurch dem Glücksrade seinerAngelegenheit einen vorthcilhüften Schwung zu geben.
Der alte Herr (er konnte leicht fünf und fünfzig bissechzig Jahre auf dem Nacken haben) warf mit einem ver-drießlichen Gesichte den Brief auf den Tisch und schob seineSammtmüße von einem Ohre zum andern. Er war inseinem Leben ein einziges Mal in der Hauptstadt gewesen,