Fünfundzwanzigstes Kapitel.
Das Cussimi.
Herr Kreisel, der keine Gelegenheit versäumte, seinenpoetischen Springbrunnen spielen zu lassen, goß seinen ge-rechten Aerger über Blaffmanns Triumph in einem sati-risch-komischen Gedichte ans, das aber erst nach seinemTode — den Apollo und die Musen noch lange abwcndenmögen — gedruckt werden soll. Er thcilte das Manu-skript blos dem Stadtrichter und dem Ostindier mit, diesich nicht wenig daran ergötzten. Richard und Kreisel wa-ren vertraute Freunde geworden. Sie kamen täglich zu-sammen, und Michelheims Horaz befand sich an der üppi-gen Tafel des ostindischcn Mäcenas ungleich besser, alsan dem magern Kosttische des Rathskellers, wo er gewöhn-lich zu speisen pflegte.
Eines Tages erinnerte ihn Richard au ihr, bei desDichters erstem Besuche gehaltenes Gespräch über den Geistder Kleinstädter. „Ihre Schilderung," sprach er, „dünkt'mich damals ein Karrikaturbild; doch je länger ich hierwohne, je treffender finde ich Ihr Gemälde, und dasPossenspiel, das täglich vor meinen Augen aufgcführt wird,belustiget mich. Ich wünschte nur, daß ich einen beque-mem Sitz vor der Bühne hätte. Der Aufenthalt imGasthofe, wo mich fast jede Nacht das Getümmel der